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Pauline packt ihren Mut ein - eine Kindergeschichte über Selbstvertrauen

  • Autorenbild: Michael Mücke
    Michael Mücke
  • vor 28 Minuten
  • 5 Min. Lesezeit
Pauline steht mit ihrem Rucksack auf dem Hügel und schaut in die Welt hinaus

Es war ein ganz besonderer Dienstagmorgen im kleinen Haus am Rande des weiten Apfelblütenwaldes, wo die Tautropfen wie Diamanten auf den Gräsern glitzerten. Die goldene Sonne kitzelte Pauline an der Nasenspitze, doch die kleine Maus mit den außergewöhnlich großen Ohren und dem seidigen Fell verkroch sich lieber ganz tief unter ihrer kuscheligen, nach Lavendel duftenden Decke.


Heute war der lang ersehnte Tag, an dem alle Waldtiere zum großen Kletterwettbewerb am mächtigen Silberfelsen zusammenkamen, um ihre Geschicklichkeit unter Beweis zu stellen. Pauline hatte sich schon seit vielen Wochen auf dieses Ereignis gefreut, doch nun fühlte sich ihr kleiner Bauch an, als ob ein riesiger Schwarm aufgeregter Hummeln darin wild herumsauste. Sie schaute mit bangem Blick zu ihrem runden Fenster hinaus und beobachtete die hohen Tannen, die sanft im kühlen Morgenwind hin und her schaukelten.


Ihre Mutter klopfte leise an die verzierte Zimmertür und trat mit einem dampfenden Becher süßem Hagebuttentee in das gemütliche Zimmer. Sie sah sofort mit ihrem mütterlichen Instinkt, dass Pauline heute ein wenig blass um die kleine Nase war und sich am liebsten unsichtbar machen wollte.


"Was ist los, mein kleiner Schatz, bedrückt dich etwa der heutige Tag am Felsen?" fragte die Mäusemama mit einer Stimme, die so weich und beruhigend wie frisches Moos klang. Pauline setzte sich ganz langsam auf und nestelte nervös an den bunten Zipfeln ihres weichen Kopfkissens herum, während sie den Blick senkte.


Sie flüsterte ganz leise, dass sie schreckliche Angst davor hatte, vor den Augen der anderen Tiere einfach vom glatten Felsen zu purzeln. "Ich glaube fest daran, dass ich heute gar keinen Mut in meinen Hosentaschen gefunden habe." sagte sie traurig und blickte voller Enttäuschung auf ihre leeren, zitternden Pfoten.


Ihre Mutter lächelte weise und holte einen alten, kunterbunten Rucksack aus dem dunklen Eichenschrank, der mit glitzernden Sternen und kleinen Monden bestickt war. Sie erklärte Pauline mit viel Geduld, dass Mut nichts ist, was man einfach so besitzt oder im Laden kaufen kann, sondern etwas, das man aktiv einpacken muss.


Gemeinsam gingen sie Hand in Pfote durch das ganze Haus und suchten nach ganz besonderen Dingen, die Pauline an ihre verborgenen Stärken erinnern konnten. Zuerst legte die Mutter eine kleine, wunderbar glatte Kastanie in das vordere Fach des Rucksacks, die sie im letzten Herbst im Wald gesammelt hatten.


"Diese Kastanie steht symbolisch für deine unglaublich flinken Beine, die schon so viele schwierige Hindernisse spielend übersprungen haben." erklärte sie mit einer stolzen Miene. Pauline nahm die Kastanie kurz in die Hand und spürte die glatte Oberfläche, die ihr eine erste kleine Welle der Ruhe schenkte.


Dann gingen sie gemeinsam hinaus in den blühenden Garten, wo der alte, knorrige Apfelbaum seine kräftigen Äste weit in den blauen Himmel ausstreckte. Pauline pflückte ein besonders schönes, grünes Blatt und legte es mit großer Vorsicht zu der Kastanie in den magischen Rucksack.


"Dieses Blatt erinnert dich in jedem Moment daran, dass du so leicht und beweglich wie der sommerliche Wind bist." flüsterte ihre Mutter ihr liebevoll in das große Ohr. Pauline begann nun langsam wieder zu lächeln und reckte ihren kleinen Rücken ein beachtliches Stückchen höher in die Luft. Sie merkte überrascht, wie der Rucksack auf ihren Schultern gar nicht schwer war, sondern sich eher wie eine warme und schützende Umarmung anfühlte.


Auf dem schmalen Waldweg zum Silberfelsen trafen sie den dicken Dachs, der gerade sehr konzentriert seine schweren Wanderstiefel mit doppelten Knoten schnürte. Er sah Pauline mit seinen klugen Augen an und bemerkte sofort ihren funkelnden Rucksack, der in der hellen Morgensonne wie ein kleiner Schatz glänzte.


"Wo willst du denn mit so viel Gepäck und diesem entschlossenen Gesicht hin, kleine Maus?" brummte er freundlich und wackelte lustig mit seiner feuchten, schwarzen Nase. Pauline nahm einen tiefen Atemzug der frischen Waldluft und blickte den Dachs mutig an, ohne dabei den Blick abzuwenden.


"Ich habe heute all meinen Mut sorgfältig eingepackt, damit er mir beim Klettern eine gute Hilfe ist." antwortete sie mit einer Stimme, die schon viel fester und sicherer klang als heute Morgen im Bett. Der Dachs nickte anerkennend und schenkte ihr einen kleinen, tiefblauen Kieselstein, den er am glitzernden Bach gefunden hatte.


"Hier, nimm diesen Stein als Zeichen für deine unerschütterliche Standfestigkeit auf deiner Reise mit." sagte er und legte ihn sanft in ihre kleine, warme Pfote.

Als sie schließlich am Fuß des riesigen Silberfelsens ankamen, waren dort schon unzählige Tiere aus allen Ecken des Waldes aufgeregt versammelt.


Die flinken Eichhörnchen sprangen wagemutig von Ast zu Ast und die jungen Hasen übten ihre weitesten Sprünge auf der grünen, saftigen Wiese. Pauline spürte für einen kurzen Moment wieder ein leichtes Zittern in ihren Knien, als sie den gewaltigen Felsen betrachtete, der bis in die Wolken zu ragen schien. Doch dann griff sie mit ihrer Pfote hinter sich und berührte ganz fest den Stoff des Rucksacks mit den vielen glitzernden Sternen.


Sie erinnerte sich an die glatte Kastanie, das leichte Blatt und den schweren, blauen Kieselstein in ihrem Gepäck. "Du schaffst das heute sicher, Pauline, denn dein ganzer Mut ist direkt bei dir." sagte sie sich ganz leise selbst und trat mit festem Schritt an die markierte Startlinie.


Der Wettbewerb begann unter dem Jubel der Zuschauer und Pauline setzte hochkonzentriert eine kleine Pfote vor die andere, genau so, wie sie es fleißig geübt hatte. Sie suchte sich mit ihren scharfen Augen die allerbesten Griffe im harten, grauen Stein und atmete dabei ganz ruhig ein und aus.


Einmal rutschte sie an einer moosigen Stelle kurz ab, doch sie hielt sich geistesgegenwärtig fest und dachte sofort an die ermutigenden Worte ihrer Mutter. "Ich bin so stark wie eine Kastanie und so leicht wie ein fliegendes Blatt." murmelte sie mit zusammengekniffenen Augen konzentriert vor sich hin.


Die vielen anderen Tiere unten am sicheren Boden jubelten ihr begeistert zu und riefen ihren Namen in einer lauten Welle durch den ganzen Wald hinaus. Schließlich erreichte sie mit einem letzten, kraftvollen Zug die kleine Aussichtsplattform ganz oben auf dem steilen Gipfel und blickte über das gesamte, weite Tal.


Die Aussicht war so atemberaubend schön, dass sie alle Anstrengung und jeden Zweifel um sich herum für einen langen Moment komplett vergaß. Die Sonne spiegelte sich wie flüssiges Gold im fernen, plätschernden Bach und die riesigen Bäume sahen von hier oben aus wie winzige, grüne Spielzeugfiguren.


Sie hatte es tatsächlich ganz aus eigener Kraft geschafft und stand nun vollkommen sicher auf ihren kleinen, flinken Mäusebeinen. "Ich habe es wirklich getan und bin ganz allein diesen riesigen Berg hochgeklettert." rief sie voller Stolz und Freude hinunter zu ihrer winkenden Mutter.


Als sie am späten Abend wieder in ihrem gemütlichen, warmen Bett lag, war Pauline verständlicherweise sehr müde, aber auch unendlich glücklich über ihren Erfolg. Der Rucksack mit den Sternen hing nun wieder an seinem gewohnten Platz am großen Schrank und wartete auf das nächste Abenteuer.


Sie wusste jetzt ganz genau, dass wahrer Mut nicht bedeutet, niemals Angst oder Sorgen in sich zu spüren. Mut bedeutet vielmehr, die eigene Angst einfach an die Hand zu nehmen und es trotz des klopfenden Herzens mutig zu versuchen. Ihre Mutter deckte sie liebevoll zu und gab ihr einen besonders dicken Kuss auf die Stirn, bevor sie das Licht löschte.


"Ich bin so unheimlich stolz auf dich und auf deinen wunderbar eingepackten Mut." flüsterte sie leise, während Pauline schon ganz friedlich in das ferne Reich der Träume hinüberschlummerte.


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