Mit dem Mondschiff zur Sonne - eine fantasievolle Geschichte
- Michael Mücke

- 29. Dez. 2025
- 4 Min. Lesezeit

Es war einmal eine sternenklare Nacht im tiefen Wald, in der die drei besten Freunde Barnabas der Bär, Pippa die Pusteblumenmaus und Konstantin der kleine Kauz auf einer weichen Mooswiese saßen.
Die Luft duftete nach feuchter Erde und süßem Nektar, während der silberne Mond hoch über den Baumwipfeln thronte. Plötzlich entdeckten sie am Ufer des glitzernden Waldsees ein seltsames Gefährt, das wie eine große, schimmernde Mondsichel geformt war. Es bestand aus hellem Treibholz und war mit Millionen von winzigen Sternenstaubkörnern besetzt, die im Dunkeln sanft pulsierten und ein beruhigendes, blaues Licht ausstrahlten.
Das muss das legendäre Mondschiff sein, von dem mein Großvater immer erzählt hat, flüsterte Konstantin ehrfürchtig und strich sich mit seinem Flügel über das weiche Gefieder an seinem Kopf.
Die drei Freunde kletterten neugierig an Bord und stellten erstaunt fest, dass die Sitze aus fein gewebtem Wolkenstoff bestanden, der nach frischem Regen roch. Im Inneren der Kabine gab es viele kleine Hebel aus geschliffenem Bergkristall und bunte Knöpfe, die wie polierte Kieselsteine glänzten.
Kaum hatten sie Platz genommen, begann das Schiff sanft zu vibrieren und erhob sich vollkommen lautlos in die kühle Nachtluft über dem Wald. Haltet euch gut an euren Pfoten fest, rief Barnabas der Bär mit seiner tiefen Stimme, während er das Steuerrad aus glattem Bernstein fest in seinen großen Tatzen hielt.
Sie stiegen immer höher und höher, ließen die dunklen Tannen und die schlafenden Dörfer weit unter sich zurück, bis sie mitten im tiefen Samtblau des weiten Weltraums schwebten.
Überall um sie herum tanzten kleine Sternschnuppen, die wie sprühende Wunderkerzen an den runden Fenstern vorbeizogen. Pippa die Maus drückte ihre winzige Nase gegen die Glasscheibe aus magischem Eis und staunte mit großen Augen über die unendliche Weite des Kosmos.
Schaut nur, wie klein unser Wald von hier oben aussieht, bemerkte sie mit einer mutigen Stimme, die trotz der Aufregung ganz fest klang. Ihr Ziel war die ferne, goldene Sonne, die wie ein warmer und überaus freundlicher Leuchtturm in der Ferne erstrahlte.
Das Mondschiff glitt geschmeidig durch einen Wirbel aus glitzerndem Kometenstaub, der wie bunter Konfettiregen an der Außenhülle abperlte und leise Klingelgeräusche verursachte.
Plötzlich tauchte ein riesiger Asteroid auf, der wie ein Schweizer Käse voller Löcher aussah und langsam rotierte. Pass auf die Krater auf, Barnabas, rief Konstantin aufgeregt und zeigte mit seinem Flügel auf die fliegenden Gesteinsbrocken. Barnabas lenkte das Schiff mit großer Geschicklichkeit um die Hindernisse herum, während das Mondschiff eine Spur aus silbrigem Glitzer hinterließ.
Nach einer Weile begegneten sie einer Herde von riesigen, fliegenden Weltraumwalen, die sanfte Melodien in die unendliche Stille der Nacht sangen. Diese majestätischen Wesen hatten Haut, die wie der Nachthimmel selbst mit funkelnden Galaxien übersät war.
Guten Abend, ihr furchtlosen Reisenden, wohin führt euch euer Weg in dieser wunderbaren Nacht, fragte der älteste Wal mit einer Stimme, die wie ein tiefer, beruhigender Gong klang. Konstantin antwortete sehr höflich, dass sie die wohlige Wärme der Sonne suchen wollten, um ein wenig Licht für den kalten Winter im Wald zu sammeln.
Die Wale begleiteten sie ein ganzes Stück des Weges und zeigten ihnen die sichersten Pfade vorbei an den wilden, wirbelnden Sonnenwinden. Je näher sie ihrem glühenden Ziel kamen, desto heller und gemütlicher wurde es in der kleinen Kabine des Mondschiffs.
Die Farben des Weltraums wandelten sich nun spektakulär von einem tiefen Dunkelblau in ein leuchtendes Orange und ein sattes, kräftiges Goldgelb. Es fühlt sich hier drin an wie ein warmer Sommertag am Ufer unseres Sees, brummte Barnabas zufrieden und lockerte seinen dicken Wollschal.
Vor ihnen erstreckte sich nun die gewaltige, atmende Oberfläche der Sonne, die wie ein Meer aus flüssigem Honig und flüssigem Gold wogte. Es gab dort keine gefährliche Hitze für die drei Freunde, denn das Mondschiff schützte sie mit einem kühlen Zaubermantel aus reinem, weißem Mondlicht.
Sie sahen Millionen kleiner Sonnenfunken, die wie fröhliche Kobolde über die goldenen Wellen hüpften und dabei lustige Purzelbäume in die Luft schlugen. Willkommen am allerhellsten Ort des gesamten Universums, riefen die Sonnenfunken im Chor und warfen den Freunden kleine, leuchtende Bernsteine zu, die die Wärme der Sonne in ihrem Inneren gespeichert hatten.
Pippa sammelte die kostbaren Steine vorsichtig in ihrem geflochtenen Körbchen, damit sie diese später in den dunklen Ecken des Waldes verteilen konnte. Die Freunde verbrachten eine lange und wunderbare Zeit damit, dem rhythmischen Rauschen der Sonnenstrahlen zuzuhören und die goldene Energie tief in ihren Herzen aufzunehmen.
Doch bald merkten sie alle drei, wie ihre Augenlider schwer wurden, denn das Reisen durch die weiten Sterne macht selbst die stärksten Abenteurer sehr müde. Es ist nun wirklich an der Zeit, dass wir in unseren Wald zurückkehren, sagte Konstantin leise und gähnte dabei so herzhaft, dass man seinen kleinen Schnabel weit offen sah.
Barnabas wendete das treue Mondschiff mit einer einzigen, geschickten Bewegung und die lange Reise zurück zur vertrauten Erde begann. Der Rückflug fühlte sich an wie ein sanftes Schweben auf einer weichen Daunenfeder, während die fernen Sterne ihnen zum Abschied freundlich und wissend zuzwinkerten.
Als das Schiff wieder ganz weich auf der heimischen Mooswiese landete, schien bereits der erste zarte Schimmer des Morgens am grauen Horizont auf. Die drei Freunde kletterten erschöpft aber glücklich aus dem Boot und kuschelten sich in ihrem gemütlichen Bau unter der großen Eiche eng aneinander.
Das war ohne jeden Zweifel das größte Abenteuer, das wir jemals gemeinsam erlebt haben, flüsterte Pippa ganz leise, bevor sie zufrieden in einen tiefen und traumlosen Schlaf sank. Die Wärme der Sonnensteine in ihrem Körbchen leuchtete noch lange Zeit ganz sanft in der Dunkelheit der Höhle.




