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Karl Klabautermann baut ein Floß - eine verrückte, lustige Gute-Nacht-Geschichte

  • Autorenbild: Michael Mücke
    Michael Mücke
  • 6. Nov. 2025
  • 4 Min. Lesezeit
Karl Klabautermann steht auf seinem Floss und ist am Bauen

Es war einmal ein winzig kleiner Wichtel mit einer roten Zipfelmütze, krummen Stiefeln, einem runden Bauch und einer unerschütterlich guten Laune. Er hieß Karl Klabautermann und wer ihn kannte, wusste: Wenn Karl etwas baute, dann wurde es garantiert ein Abenteuer.


In seinem Werkzeugkasten klapperte, klimperte und klongte es so laut, dass schon von weitem alle Tiere wussten – Karl war wieder am Werk.

Eines Morgens wachte Karl auf, weil ihm ein Tropfen Morgentau auf die Nase fiel.


Er nieste so heftig, dass seine Zipfelmütze quer durchs Zimmer flog, gegen den Topf mit Blaubeermarmelade klatschte und dann an der Wand kleben blieb.


Karl lachte verschlafen und rief: „Ha! Mein erstes Kunstwerk des Tages!“

Er sprang aus dem Bett, zog seine Stiefel verkehrt herum an, bemerkte es erst nach zehn Schritten und lachte erneut.


„Na, das ist ja ein verheißungsvoller Anfang!“ Draußen zwitscherte der Garten, die Sonne kitzelte das Gras, und der Teich glitzerte so schön, dass Karl staunend sagte: „Heute ist ein Tag fürs Wasser – ich baue ein Floß!“


Mit einem Satz stand er an seiner Werkbank, die mehr nach Abenteuer als nach Ordnung aussah. Dort lagen Schrauben, die er nie brauchte, Seile, die zu kurz waren, und Bretter, die alle eine andere Länge hatten. Karl packte ein paar davon zusammen, warf seinen Werkzeugkasten über die Schulter, und los ging’s Richtung Teich.


Die Tiere im Garten wussten schon, was das bedeutete. Das Eichhörnchen kicherte, die Ente schnatterte neugierig, und der Frosch seufzte: „Oh je, das gibt wieder Chaos.“ Doch Chaos bei Karl war immer voller Spaß.


Am Ufer angekommen, breitete er alles aus. „Also gut,“ sagte er ernsthaft, „Bauplan Nummer eins: Es schwimmt, es trägt, es quietscht nicht.“ Dann legte er vier Bretter nebeneinander.


Nur… das erste Brett war krumm, das zweite zu kurz, das dritte hatte ein Loch, und das vierte war eigentlich ein altes Türschild, auf dem stand: „Nicht stören – Mittagsschlaf!“ Karl kratzte sich am Kopf. „Ein Floß mit Schild – na, das hat Stil!“


Er band die Bretter mit Seilen zusammen, doch das Seil verhedderte sich um seine Beine. Als er versuchte, es zu lösen, fiel er rückwärts ins Schilf. Eine Libelle landete auf seiner Nase, und er blinzelte. „Na du, bist du jetzt mein Schiffskompass?“ fragte er lachend, während er sich befreite.


Er schob das unfertige Floß ins Wasser. Es schwankte gefährlich, kippte zur Seite und – platsch! – Karl landete kopfüber im Teich. Als er auftauchte, trug er eine Algenperücke und einen Bart aus Wasserlinsen. Die Ente schnatterte so laut, dass selbst die Fische im Wasser zu kichern schienen.


Karl nieste wieder, diesmal so kräftig, dass seine Mütze ins Wasser flog und auf einer Seerose landete. „Ha! Eine schwimmende Mütze – das nenne ich Fortschritt!“ rief er stolz.


Doch Karl wäre nicht Karl, wenn er aufgegeben hätte. Er schleppte sich tropfnass ans Ufer, schüttelte sich, sodass Tropfen in alle Richtungen spritzten, und rief: „Zweiter Versuch! Diesmal mit Plan Nummer zwei – größer, stärker, schwimmiger!“


Also holte er Äste, alte Tannenzapfen, Nussschalen und sogar einen leeren Blumentopf. Die Igel rollten ihm kleine Rundhölzer herbei, der Hase schleppte Nägel, und der Frosch übernahm den Rhythmus: Quak – klopf – quak – klopf!


Beim Hämmern sprang ein Nagel so hoch, dass er in Karls Mütze flog, die wieder vom Wind zurückgeweht worden war. „Prima, jetzt hab ich einen Hut mit Sicherheitsnagel!“ sagte Karl zufrieden, obwohl der Nagel fast seine Zipfelmütze festtackern wollte.


Dann wollte er das Floß auf den Teich schieben, aber es war zu schwer. Also nahm Karl Anlauf – und rutschte auf einer glitschigen Alge aus. Das Floß rollte mit ihm zusammen ins Wasser, drehte sich zweimal im Kreis, und Karl landete mitten drauf, mit einem lauten Wumm!


Diesmal blieb das Floß tatsächlich oben! Karl stand stolz darauf, breitete die Arme aus und rief: „Ich bin Kapitän Klabautermann! Herrscher der sieben Teiche!“ Das Floß schaukelte, und die Tiere am Ufer klatschten begeistert.


Doch die Freude währte kurz. Das Floß begann, sich langsam zu drehen. Erst ein wenig, dann schneller, dann sehr schnell. Karl taumelte, ruderte mit den Armen und rief: „Hilfe! Mein Floß will tanzen!“ Schließlich verlor er das Gleichgewicht und fiel erneut ins Wasser.


Der Frosch klatschte lachend mit den Schwimmhäuten. „Ein Wirbel-Floß! Du hast das erste Karussell auf dem Teich erfunden!“ rief er. Karl prustete vor Lachen. „Na, dann fahr ich eben Achterbahn!“


Nachdem er sich wieder ans Ufer gerettet hatte, beschloss Karl, eine kleine Pause einzulegen. Er legte sich ins Gras, schloss die Augen und träumte davon, ein Floß mit Segel, Kajüte und Picknickplatz zu bauen. Doch als er wieder aufstand, hatte der Wind inzwischen sein Floß ans andere Ufer geweht.


„Oh nein! Mein schönes Schiff ist ausgebüxt!“ rief er. Ohne zu zögern rannte er los, rutschte durch den Matsch, fiel zweimal hin und kam schließlich schnaufend drüben an. Dort stand die Ente stolz auf seinem Floß und schnatterte, als wolle sie sagen: „Jetzt bin ich Kapitänin!“


Karl verbeugte sich galant. „Na gut, Frau Ente, heute überlasse ich Ihnen das Kommando. Aber morgen baue ich ein zweites Floß, und dann machen wir ein Wettrennen!“


Die Ente schnatterte zustimmend, der Frosch quakte Beifall, und die Sonne ging langsam unter. Karl setzte sich ans Ufer, betrachtete den stillen Teich und sagte leise: „Weißt du, Floßbauen ist gar nicht so leicht. Aber was wäre das Leben ohne ein paar schöne Platscher?“


Dann zog er seine nasse Mütze tief ins Gesicht, kuschelte sich in ein warmes Blatt, und während der Wind über den Teich strich, murmelte er im Halbschlaf: „Morgen bau ich ein Floß mit zwei Etagen… und vielleicht einer kleinen Hupe.“


Kurz darauf schnarchte er leise. Die Tiere rückten näher, die Sterne glitzerten über dem Wasser, und das Floß schwamm friedlich in der Nacht – schief, bunt, verbeult, aber glücklich.


Denn wo Karl Klabautermann baute, da lebte das Lachen, und jeder Missgriff wurde zu einem neuen, wunderbaren Abenteuer.

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