Balu Biber und der abgebrochene Zahn - eine Einschlafgeschichte
- Michael Mücke

- 21. Dez. 2025
- 3 Min. Lesezeit

Balu Biber lebte in einer warmen und ruhigen Biberburg am Rand eines breiten Flusses, der sanft durch den Wald floss. An einem frühen Abend spielte er fröhlich am Ufer und suchte nach guten Ästen für sein kleines Bauprojekt. Er fand einen besonders dicken Ast, der sehr stabil aussah und wunderbar nach frischem Holz roch.
Als er kräftig hinein biss, knackte es plötzlich so laut, dass ein paar Enten erschrocken aufflatterten und rasch davon paddelten. Balu spürte sofort etwas Seltsames in seinem Mund und rief überrascht "Oh nein, mein Zahn ist abgebrochen".
Er setzte sich an das ruhige Wasser und betrachtete sein Spiegelbild, das vom leichten Wellengang hin und her gewackelt wurde. Der abgebrochene Zahn sah für ihn ungewohnt aus und er fühlte sich dadurch etwas unsicher, weil er seine Zähne eigentlich täglich für seine Bauarbeiten brauchte. Während er nachdachte, raschelte es im Gras hinter ihm und seine Freundin Mina Maus kam hervor.
Sie hatte das laute Knacken gehört und fragte neugierig "Balu, was ist denn passiert". Balu erklärte ihr alles und zeigte seinen Zahn, der nun ein Stück kürzer war.
Mina legte eine Pfote an ihr Kinn und überlegte eine Weile, bevor sie sagte "Wir sollten Meister Fuchs besuchen, weil er sich gut mit Zähnen auskennt". Balu nickte langsam und stand vorsichtig auf.
Gemeinsam machten sich die beiden auf den Weg durch das abendliche Dickicht, in dem die ersten Glühwürmchen leuchteten. Der Wind bewegte die Blätter sanft und der Wald wirkte friedlich und vertraut. Balu schnupperte unterwegs an ein paar duftenden Blumen, die ihn ein wenig beruhigten.
Der Weg zu Meister Fuchs führte über einen schmalen Pfad, vorbei an alten Baumstämmen und kleinen Farnen, die im Mondlicht schimmerten. Mina erzählte fröhlich von ihrem Tag und versuchte Balu mit lustigen Geschichten aufzuheitern.
Schließlich erreichten sie den Bau von Meister Fuchs, der gerade ein paar Federn aus seinem Eingang fegte. Er blickte auf und sagte freundlich "Kommt nur herein, ihr könnt bestimmt meine Hilfe gebrauchen".
Im Inneren seines Baus roch es angenehm nach Kräutern, die an der Wand hingen und vorsichtig getrocknet wurden. Balu setzte sich auf ein weiches Fell und öffnete den Mund, damit Meister Fuchs den Zahn genau anschauen konnte.
Der Fuchs schaute aufmerksam hin und erklärte dann ruhig "Der Zahn ist nur leicht beschädigt und wächst bald wieder nach, wenn du ein paar Tage vorsichtig bist". Balu atmete erleichtert auf und fragte hoffnungsvoll "Kann ich trotzdem ein wenig bauen, solange ich vorsichtig bleibe".
Meister Fuchs lächelte breit und sagte "Du darfst bauen, aber du solltest nur weiche Zweige nehmen, damit dein Zahn nicht erneut leidet". Mina hüpfte vor Freude und rief "Dann können wir morgen weiter an deinem Damm arbeiten, aber wir machen alles ganz entspannt". Balu nickte dankbar, weil er seine Arbeit wirklich liebte und sich keinen Tag ohne ein paar Bauversuche vorstellen konnte.
Bevor die beiden Freunde den Bau verließen, legte Meister Fuchs ein kleines Bündel Kräuter bereit und sagte "Nimm diese Kräuter mit, sie schmecken angenehm und helfen deinem Zahn bei der Erholung".
Balu bedankte sich höflich und versprach sich gut darum zu kümmern. Dann gingen sie wieder hinaus in die frische Abendluft und machten sich auf den Heimweg.
Der Wald wurde langsam dunkler, aber überall glitzerten kleine Lichtpunkte von Glühwürmchen und schufen eine ruhige und friedliche Atmosphäre.
Unterwegs fanden sie einen umgestürzten Baum, dessen Rinde besonders weich war und angenehm roch. Mina rief fröhlich "Diesen Baum kannst du später bestimmt gut gebrauchen".
Balu berührte vorsichtig die Rinde und spürte, wie weich sie war, und sagte zufrieden "Diese Zweige kann ich morgen bestimmt gut verwenden". Das beruhigte ihn noch ein wenig mehr und gab ihm das Gefühl, trotz des abgebrochenen Zahns etwas schaffen zu können.
Als sie schließlich an der Biberburg ankamen, setzte sich Balu auf eine weiche Moosstelle und betrachtete die dunkler werdende Wasseroberfläche. Er sagte leise "Ich bin froh, dass alles wieder gut wird".
Mina lächelte freundlich und legte ein paar weiche Zweige neben ihn, die sie unterwegs gesammelt hatte. Balu bedankte sich herzlich und spürte, wie ein warmes Gefühl der Geborgenheit in ihm wuchs.
Die Müdigkeit wurde immer stärker und Balu kroch schließlich in sein gemütliches Nest aus Zweigen und Moos.
Das leise Plätschern des Flusses klang wie eine sanfte Melodie und die Sterne funkelten über ihm. Kurz bevor er einschlief, murmelte er zufrieden "Morgen baue ich weiter, aber ganz vorsichtig".
Dann schloss er langsam die Augen und glitt sanft in einen tiefen und erholsamen Schlaf, während der Wald friedlich zur Ruhe kam und die Nacht ihre stille Decke über alles legte.




