top of page

Als wir eine Wolke fingen oder sie uns - eine luftige Gute-Nacht-Geschichte

  • Autorenbild: Michael Mücke
    Michael Mücke
  • vor 3 Tagen
  • 4 Min. Lesezeit
Leni und Jonas schweben zusammen mit der Wolke über ihren Garten

Es war ein warmer Dienstag im Juli, an dem die Luft so still stand, dass man das Flüstern der Gänseblümchen fast hören konnte. Die Geschwister Leni und Jonas saßen auf der alten Holzschaukel im Garten und starrten in den tiefblauen Himmel hinauf.


Dort oben schwamm eine einzige, einsame Wolke, die aussah wie ein riesiges, flauschiges Zuckerwattemonster mit einer Nase aus Erdbeereis. Jonas kniff die Augen zusammen und hob seinen rechten Arm weit in die Luft.


"Ich wette mit dir, dass ich diese Wolke mit meinem Kescher fangen kann", sagte er mit einer Stimme, die so fest klang wie ein frisch gebackener Keks.


Leni lachte laut auf und schüttelte ihren Kopf, sodass ihre blonden Zöpfe wie kleine Propeller hin und her flogen. "Wolken kann man nicht fangen, Jonas, denn sie bestehen nur aus feuchtem Nebel und Träumen", entgegnete sie klug.


Aber Jonas ließ sich nicht beirren und holte seinen langen Schmetterlingskescher aus dem Schuppen hinter dem Apfelbaum. In diesem Moment geschah etwas sehr Merkwürdiges, denn die Wolke am Himmel begann plötzlich zu sinken.


Sie schwebte tiefer und tiefer, bis sie fast die Spitzen der hohen Tannen am Waldrand berührte. Die Kinder hielten den Atem an und beobachteten, wie der weiße Riese immer näher auf ihre Wiese zusteuerte. Es fühlte sich an, als würde die ganze Welt plötzlich in Watte gepackt werden.


"Guck mal Leni, sie kommt direkt zu uns in den Garten", flüsterte Jonas ganz ehrfürchtig. Die Wolke war nun so nah, dass sie wie ein großer, weicher Teppich über dem Rasen schwebte. Sie duftete wunderbar nach frischem Regen und nach Vanillepudding mit einer Prise Zimt.


Ohne lange nachzudenken, warf Jonas seinen Kescher aus und das Netz verfing sich tatsächlich im nebligen Rand der Wolke. Doch anstatt dass Jonas die Wolke einfing, passierte genau das Gegenteil. Ein sanfter Ruck ging durch die Luft und Jonas fühlte, wie seine Füße den Boden unter dem Gras verloren.


"Halt dich fest, sie zieht mich nach oben", rief er mit einer Mischung aus Angst und riesiger Vorfreude. Leni packte geistesgegenwärtig seine Beine und plötzlich schwebten beide Kinder langsam in die Höhe. Es war kein wilder Flug, sondern eher ein sanftes Wiegen, als läge man in einer Hängematte aus purer Luft.


Die Wolke umhüllte sie wie eine warme Decke und fühlte sich auf der Haut ganz kitzelig an. "Das ist ja viel schöner als auf dem Jahrmarkt", murmelte Leni, während sie über die weiche Oberfläche der Wolke strich.


Sie flogen über das Dach ihres Hauses hinweg und sahen ihren Hund Bello, der unten im Garten stand und verwirrt bellte. Oben auf der Wolke gab es kleine Mulden, in denen man wunderbar sitzen und die Aussicht genießen konnte.


Die Welt unter ihnen sah aus wie eine Spielzeuglandschaft mit winzigen Autos und Häusern aus buntem Karton. Plötzlich hörten sie ein leises Kichern, das direkt aus der Mitte der weißen Flocken zu kommen schien.


"Vielen Dank, dass ihr mich an die Leine genommen habt", sagte eine Stimme, die so sanft wie das Rauschen der Blätter klang. Die Kinder erschraken kurz, aber dann sahen sie ein kleines Gesicht, das sich aus dem Nebel formte.


Die Wolke selbst sprach zu ihnen und sie schien sich sehr über die Gesellschaft zu freuen. "Ich habe mich so alleine gefühlt da oben am großen blauen Himmel", erklärte die Wolke den staunenden Kindern.


Sie erzählte ihnen von fernen Ländern, in denen die Berge aus Schokolade waren und die Flüsse aus Limonade bestanden. Jonas und Leni lauschten gespannt den Geschichten und vergaßen dabei ganz die Zeit und die Welt unter ihnen.


Die Wolke zeigte ihnen, wie man aus Regenbogenfarben kleine Kunstwerke bastelt, die in der Sonne glitzern. "Können wir für immer hier oben bleiben und mit dir reisen", fragte Jonas mit leuchtenden Augen.


Die Wolke lächelte ein nebliges Lächeln und schüttelte sanft ihren flauschigen Körper hin und her. "Eure Eltern warten bestimmt schon mit dem Abendessen auf euch im Haus", antwortete die Wolke freundlich.


Langsam begann sie wieder zu sinken und steuerte zielsicher den heimischen Garten hinter dem Haus an. Die Kinder spürten, wie die kühle Abendluft ihre Wangen streichelte und der Duft von Blumen wieder stärker wurde.


Ganz vorsichtig setzte die Wolke die beiden Abenteurer direkt neben der alten Schaukel auf dem Rasen ab. Jonas zog seinen Kescher aus dem Nebel und verbeugte sich höflich vor ihrem neuen großen Freund. "Kommst du uns bald mal wieder besuchen", rief Leni der Wolke hinterher, als diese wieder nach oben stieg.


Die Wolke zwinkerte ihnen mit einem kleinen Blitz zu und verschwand langsam im goldenen Licht der untergehenden Sonne. Die Kinder liefen schnell ins Haus und setzten sich an den Küchentisch, wo es bereits nach frischem Brot duftete. Ihre Eltern fragten sie, was sie den ganzen Nachmittag draußen im Garten getrieben hatten.


"Wir haben eine Wolke gefangen und sie hat uns die ganze Welt von oben gezeigt", berichtete Jonas stolz. Die Eltern lächelten nur und dachten, dass die Kinder mal wieder eine sehr lebhafte Fantasie beim Spielen hatten.


Aber Jonas und Leni wussten es besser, denn in ihren Haaren klebten noch kleine, glitzernde Wassertropfen vom Himmel. In dieser Nacht schliefen sie besonders tief und träumten beide von weichen Betten aus weißer Zuckerwatte.

Schlummerpiraten Newsletter

Herzlich Willkommen und Danke!

Keine Sorge, ich bombardieren dich nicht mit E-Mails! Der Newsletter kommt nur einmal pro Woche und enthält eine liebevolle Zusammenfassung der neuesten Gute-Nacht-Geschichten.
Bei der Anmeldung erhältst du 100 Ausmalseiten und die erste Geschichte des Buches "Ich bin wertvoll", als kleines Dankeschön.

Alle Anfragen an: schlummerpiraten@gmail.com

© 2025 by Michael

bottom of page