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Raffnix, der Kobold, der die Welt anders sah - eine besondere Gute-Nacht-Geschichte

  • Autorenbild: Michael Mücke
    Michael Mücke
  • 12. Mai
  • 3 Min. Lesezeit
Raffnix sitzt mit dem Dachs zusammen im Wald

In einem tiefen, flüsternden Wald, wo die Blätter im Mondschein wie kleine Silbermünzen glänzten, wohnte ein Kobold namens Raffnix. Er war ein kleiner Kerl mit struppigen, apfelgrünen Haaren und einer Nase, die so rund wie eine Murmel war.


Raffnix war kein gewöhnlicher Kobold, denn sein Name war eigentlich Programm. Er verstand fast alles falsch, was man ihm sagte, aber er tat dies auf eine so herzliche Weise, dass die Welt um ihn herum dadurch viel schöner wurde.


Eines Abends saß er vor seiner gemütlichen Baumhöhle und beobachtete die Sterne am weiten Nachthimmel. Sein bester Freund, der weise Dachs Herr Schaufel, kam langsam vorbei und schaute tief in die Dunkelheit hinauf.


"Schau nur Raffnix, es ziehen heute Nacht dunkle Regenwolken auf und verdecken das Licht", sagte der Dachs mit einer etwas besorgten Stimme. Raffnix legte seinen Kopf schief, blinzelte mit seinen großen Augen und begann sofort freudig zu strahlen.


"Oh wie wunderbar, die Wolken bringen also die großen Kuscheldecken für die müden Sterne mit", antwortete der kleine Kobold voller Begeisterung. Er stellte sich vor, wie die Sterne sich unter dem grauen Stoff einkuschelten, um endlich einmal ungestört ausschlafen zu können.


Herr Schaufel schüttelte lächelnd den Kopf, weil er wusste, dass man Raffnix die Sorge um das Wetter niemals logisch erklären konnte. Am nächsten Morgen wanderte Raffnix durch den Wald und traf das kleine Eichhörnchen Flitzi, das ganz aufgelöst auf einem Ast saß. Flitzi hatte seine Nüsse verloren und rief ganz verzweifelt nach unten.


"Ich habe überall gesucht, aber meine Vorräte sind einfach spurlos verschwunden", klagte das kleine Tierchen mit traurigen Augen. Raffnix blieb stehen, faltete seine Hände über seinem dicken Bauch und nickte sehr verständnisvoll.


"Das ist ja großartig, du hast also kleine Schatzsuche-Spiele für die hungrigen Mäuse im Wald vorbereitet", rief er mit einer Stimme voller Bewunderung aus. Er erklärte Flitzi, dass es eine unglaublich mutige Tat sei, sein Essen zu verstecken, damit andere Tiere ein spannendes Abenteuer beim Suchen erleben könnten.


Das Eichhörnchen hielt kurz inne, vergaß seinen Ärger über die eigene Vergesslichkeit und musste plötzlich über die Vorstellung der suchenden Mäuse laut lachen.

Wenig später kam Raffnix an einen kleinen Bach, an dem die alte Ente Erna stand und sich über die starke Strömung beklagte.


"Das Wasser zieht heute so fest an meinen Beinen, dass ich kaum vorwärts komme", schimpfte die Ente lautstark vor sich hin. Raffnix hüpfte auf einen flachen Stein, beugte sich tief zum Wasser hinunter und kicherte leise.


"Das Wasser möchte dich bestimmt nur ganz fest umarmen, weil du heute so besonders hübsch aussiehst", sagte er mit einer ehrlichen Herzlichkeit in seiner Stimme. Er war fest davon überzeugt, dass der Bach ein flüssiger Freund war, der einfach nur ein bisschen Liebe verteilen wollte.


Die Ente Erna schaute an sich herab, putzte sich kurz die Federn und fühlte sich auf einmal viel leichter und wichtiger als zuvor. Auf seinem Rückweg stolperte der kleine Kobold über eine alte, verrostete Gießkanne, die jemand achtlos im Gebüsch vergessen hatte.


Ein Mensch hätte sie wohl als Müll bezeichnet, doch Raffnix sah das natürlich ganz anders. Er hob das rostige Ding auf, polierte es mit seinem Ärmel und hielt es stolz wie eine Trophäe in die Höhe. "Sieh mal einer an, ein silberner Palast für die mutigsten Käfer des Waldes wurde hier für mich abgestellt", flüsterte er ehrfürchtig vor sich hin.


Er stellte die Kanne sicher unter einen schützenden Farn und war sich sicher, dass die Käfer darin heute Abend eine prächtige Party feiern würden. Überall wo Raffnix hinging, verwandelte er Probleme in Geschenke und Missgeschicke in wunderbare Gelegenheiten.


Als die Sonne langsam hinter den hohen Tannen verschwand, kehrte der Kobold erschöpft aber glücklich zu seinem Baum zurück. Herr Schaufel wartete dort bereits auf ihn und wollte wissen, ob Raffnix heute wieder so viel Unsinn im Kopf gehabt hatte.


"Erzähl mir mein kleiner Freund, hast du heute wieder alles völlig falsch verstanden", fragte der Dachs mit einem liebevollen Augenzwinkern. Raffnix gähnte ausgiebig, kuschelte sich in sein Moosbett und schloss langsam seine schweren Augenlider.


"Ich verstehe die Welt nicht falsch, ich sehe sie nur so, wie sie sich am wohlsten fühlt", murmelte er leise, bevor er tief und fest einschlief. In dieser Nacht träumte er von umarmenden Bächen, zudeckenden Wolken und einer Welt, in der jedes Missverständnis eigentlich nur eine kleine Einladung zum Glücklichsein war.


Alle Tiere im Wald schliefen ruhig, denn sie wussten, dass Raffnix über ihre Träume wachte und selbst aus der dunkelsten Nacht ein strahlendes Lichterfest zaubern konnte.

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