Auf der Suche nach dem verlorenen Königreich - eine spannende Gute-Nacht-Geschichte
- Michael Mücke

- vor 2 Stunden
- 6 Min. Lesezeit

Es war einmal, an einem warmen Abend, als der Mond wie eine große, silberne Banane am Himmel hing und die Sterne funkelten, da saßen drei beste Freunde am Rande des tiefen Dschungels zusammen.
Es war ein Ort, an dem die Blätter riesig waren und die Blumen in allen Farben des Regenbogens leuchteten. Da war zuerst der tapfere kleine Jaguar, der Elio hieß und stolz auf sein wunderschönes Fell mit den vielen dunklen Rosetten war. Er war sehr mutig und passte immer gut auf seine Freunde auf.
Neben ihm saß die schlaue Orang-Utan-Dame, sie hieß Maya und hatte langes, rötliches Fell, das im Licht der Glühwürmchen schimmerte. Maya konnte klettern wie keine Zweite und hatte immer tolle Ideen im Kopf.
Der Dritte im Bunde war der gemütliche Papagei, er hieß Koki und sein Gefieder war so bunt wie eine Schale voller Obst. Koki hatte einen großen Rucksack aus geflochtenen Blättern dabei, der vollgepackt war mit leckeren Früchten und nützlichen Sachen für ihre Reise.
An diesem Abend war es ganz still im Dschungel, nur das Zirpen der Grillen und das leise Rauschen der Blätter war zu hören. Die Freunde hatten von Elio's Urgroßvater eine wunderbare Geschichte gehört, eine Geschichte über ein längst vergessenes Königreich, das tief im Herzen des Dschungels verborgen lag.
Man erzählte sich, dass dort die Bäume bunte Früchte trugen, die süßer schmeckten als Honig, und dass der Fluss aus reinem Kristallwasser bestand, das im Sonnenlicht glitzerte.
Man nannte es das "Königreich der tausend Lichter", weil dort nachts Tausende von funkelnden Glühwürmchen die Wege erhellten. Die drei Freunde konnten es kaum erwarten, sich auf die Suche nach diesem magischen Ort zu machen.
"Kommt schon, lasst uns aufbrechen", rief Elio voller Vorfreude und sprang auf seine vier Pfoten. Maya kletterte geschwind auf einen hohen Baum, um sich einen Überblick zu verschaffen. "Von hier oben kann ich einen schmalen Pfad sehen, der tiefer in den Dschungel führt", rief sie ihren Freunden zu. Koki wackelte aufgeregt mit seinen bunten Flügeln und flog ein Stück voraus.
"Ich kann fliegen und euch von oben den Weg weisen, damit wir uns nicht verirren", krächzte er mit fröhlicher Stimme. So machten sich die drei unzertrennlichen Freunde auf den Weg in das dichte Grün, voller Neugier und Abenteuerlust.
Der Dschungel war in der Nacht ein ganz besonderer Ort, voller unbekannter Geräusche und fremder Gerüche. Die Luft war feucht und roch nach Erde, Blumen und reifen Früchten. Riesige Farne und dicke Lianen versperrten ihnen manchmal den Weg, aber Maya wusste immer einen Ausweg. Sie schwang sich geschickt von Ast zu Ast und half ihren Freunden, über die umgestürzten Baumstämme zu klettern.
Elio ging tapfer voran und schaute mit seinen großen, wachsamen Augen in die Dunkelheit, um sicherzugehen, dass keine Gefahr drohte. Koki flog hoch oben über den Baumwipfeln und passte auf, dass sie nicht vom Weg abkamen.
Plötzlich standen sie vor einem breiten Fluss, dessen Wasser silbern im Mondlicht glänzte. Das Wasser floss sehr schnell und es gab keine Brücke, um auf die andere Seite zu gelangen. Elio schaute etwas ratlos in das Wasser und kratzte sich nachdenklich hinter dem Ohr.
"Wie sollen wir bloß diesen breiten Fluss überqueren", fragte er mit besorgter Stimme. Maya schaute sich aufmerksam um und entdeckte eine dicke, starke Liane, die von einem großen Baum herabhing.
"Das ist die Lösung", rief sie voller Begeisterung. Sie nahm Anlauf, schnappte sich das Seil aus Pflanzenfasern und schwang sich mit einem lauten, fröhlichen Rufen über den Fluss. Auf der anderen Seite angekommen, knotete sie die Liane fest an einen stabilen Baumstamm. Koki flog zu ihr und half ihr mit seinem starken Schnabel, den Knoten richtig festzuziehen.
Elio schaute etwas zögerlich auf das schaukelnde Seil, aber Maya rief ihm zu: "Keine Angst, Elio, das Seil hält und ich fange dich auf". Mit viel Mut packte Elio die Liane mit seinen Pfoten und schwang sich ebenfalls über den Fluss.
Koki flog hinterher und setzte sich stolz auf Elio's Kopf. Am anderen Ufer angekommen, klopften sich die drei Freunde gegenseitig auf die Schultern und lachten vor Erleichterung.
Der Pfad führte sie nun tiefer in einen Teil des Waldes, in dem die Pflanzen leuchteten. Die Blätter der Bäume strahlten in zartem Blau, warmem Gelb und beruhigendem Grün, als ob sie kleine Laternen in sich tragen würden.
Der Boden war mit weichem, leuchtendem Moos bedeckt, das wie ein Teppich unter ihren Pfoten war. Es sah aus wie in einem wunderschönen Zauberland und die Luft war erfüllt von einem süßen Duft nach Jasmin und Vanille.
Plötzlich hörten sie ein leises, trauriges Weinen, das aus einem dichten Busch kam. Elio schob vorsichtig ein paar große Blätter beiseite und entdeckte einen kleinen, bunten Schmetterling, der am Boden saß. Seine Flügel waren nass und er konnte nicht mehr fliegen.
"Warum weinst du denn, kleiner Freund", fragte Maya mit einer sehr sanften Stimme und kniete sich zu ihm. Der Schmetterling blickte traurig auf und bewegte seine Flügel.
"Ich habe mich im Regen verirrt und meine Familie verloren, und jetzt sind meine Flügel nass und ich kann nicht mehr zu ihnen fliegen", flüsterte der kleine Schmetterling ganz leise. Koki öffnete seinen Rucksack und holte ein weiches, trockenes Tuch heraus. "Keine Sorge, wir helfen dir", sagte er mitleidig und tupfte vorsichtig die Wassertropfen von den Flügeln des Schmetterlings.
Maya nahm den Schmetterling behutsam auf ihre Hand und hielt ihn ins warme Licht der leuchtenden Blätter, damit seine Flügel schneller trocknen konnten. Elio setzte sich schützend neben sie und passte auf, dass niemand den kleinen Schmetterling störte. Nach einer Weile waren die Flügel wieder trocken und der Schmetterling begann sie fröhlich zu bewegen.
Er erhob sich in die Luft und flog ein paar Runden um die Köpfe seiner Retter. "Ich danke euch von ganzem Herzen, ihr seid wirklich wahre Freunde", rief er glücklich aus und flog davon, um seine Familie zu suchen.
Die drei Freunde setzten ihre Reise fort und kamen schließlich an eine große, alte Steinmauer, die über und über mit grünem Efeu bewachsen war. In der Mitte der Mauer befand sich ein riesiges Tor aus Holz, das fest verschlossen war. Auf dem Tor war ein Bild von einem schlafenden Faultier eingemeißelt.
"Das muss der Eingang zum verlorenen Königreich sein", flüsterte Elio ehrfürchtig und staunte über die Größe des Tores. Maya untersuchte das Tor ganz genau und entdeckte eine alte Inschrift, die in den Stein geritzt war.
"Hier steht, dass sich das Tor nur öffnet, wenn man ein Schlaflied singt", las sie laut vor. Die Freunde überlegten gemeinsam, welches Lied sie singen könnten. Koki erinnerte sich an ein wunderschönes Lied, das seine Mutter ihm immer vorsang, wenn er nicht einschlafen konnte. "Lasst uns alle zusammen singen", schlug der bunte Papagei vor.
Sie nahmen sich an den Pfoten und Flügeln und begannen mit leisen, harmonischen Stimmen zu singen. Ihre Melodie klang so wunderschön und friedlich, dass sich sogar die Blätter der Bäume im Takt bewegten. Als die letzten Töne des Liedes verklungen waren, gab es ein tiefes, leises Brummen und das große Holztor öffnete sich wie von Geisterhand ganz langsam von allein.
Hinter dem Tor trauten die drei Freunde ihren Augen kaum. Vor ihnen erstreckte sich das verlorene Königreich in seiner ganzen Pracht. In der Mitte stand ein wunderschönes Schloss aus glitzerndem Kristall, das im Licht der Sterne funkelte, als ob es aus tausend Diamanten gemacht wäre. Überall gab es Wiesen aus weichem, singendem Gras und Springbrunnen, die bunte Seifenblasen in die Luft pusteten.
Auf den Bäumen saßen viele bunte Vögel, die fröhlich sangen und den Ankömmlingen ein herzliches Willkommen boten. Die drei Freunde waren überwältigt von der Schönheit dieses Ortes und konnten ihr Glück kaum fassen. Sie hatten es wirklich geschafft, sie hatten das verlorene Königreich gefunden.
Die Freunde waren sehr müde von dem langen Weg und dem großen Abenteuer. Sie legten sich in das weiche, warme Gras direkt neben dem Kristallschloss und ließen sich von der friedlichen Atmosphäre verzaubern. Tausende von funkelnden Glühwürmchen versammelten sich über ihnen und bildeten ein schützendes Dach aus warmem Licht.
"Wir haben das Königreich wirklich gefunden", murmelte Elio und gähnte herzhaft, während er sich an seine Freunde kuschelte. Maya kuschelte sich ganz eng an sein weiches Fell.
"Es ist der schönste Ort, den ich je gesehen habe", flüsterte sie mit schweren Augenlidern und schlief langsam ein. Koki deckte seine Freunde mit einer großen, gemütlichen Decke aus weichen Blättern zu.
"Jetzt ist es Zeit für schöne Träume", sagte er ganz leise und schloss ebenfalls seine Augen. Die drei Freunde schliefen glücklich und zufrieden im verlorenen Königreich ein, während der Dschungel sie sanft in den Schlaf wiegte.




