Ifix, der kleine Poltergeist - eine spukige Gute-Nacht-Geschichte
- Michael Mücke

- vor 1 Tag
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In einem tiefen, verwunschenen Wald stand ein altes Haus mit einem schiefen Schornstein und glitzernden Fensterscheiben, in dem Ifix wohnte. Er war ein winziger Poltergeist mit einer Vorliebe für gestreifte Socken und glänzende Knöpfe, die er überall im Haus versteckte.
Ifix hatte keine Lust, Leute zu erschrecken, sondern er wollte viel lieber ein nützlicher Mitbewohner für die Familie sein, die dort lebte. In dem Haus wohnten die Geschwister Lukas und Emma, die oft abends im Bett lagen und sich vor dem Knarren der alten Treppenstufen fürchteten.
Ifix beobachtete sie oft aus seinem Versteck hinter dem großen Bücherregal und wünschte sich, ihnen den Mut eines Löwen schenken zu können. Eines Abends war der Wind besonders laut und rüttelte an den Fensterläden, was Lukas unter seiner Decke zittern ließ.
"Hast du das seltsame Geräusch draußen am Fenster auch gehört?" fragte Lukas seine Schwester mit einer ganz leisen und ängstlichen Stimme. Emma nickte nur stumm, während sie ihren Teddybären so fest drückte, dass seine Stoffnase fast ganz platt wurde.
Ifix wusste, dass es Zeit für eine große Überraschung war, um die trüben Gedanken der Kinder endlich zu vertreiben. Er schwebte aus dem Schatten hervor und balancierte auf dem Rand eines Wasserglases, das auf dem Nachttisch stand. Mit einem leisen Klingeln tippte er gegen das Glas und erzeugte eine Melodie, die wie tausend kleine Glöckchen klang.
Die Kinder setzten sich vorsichtig auf und starrten auf die kleine Gestalt, die im fahlen Mondlicht bläulich schimmerte. "Ich bin Ifix und ich sorge dafür, dass die bösen Träume heute draußen bleiben müssen" sagte der kleine Geist mit einem freundlichen Kichern.
Er griff in seine unsichtbare Tasche und holte eine Handvoll magischer Leuchtekugeln hervor, die er sanft in die Luft pustete. Die Kugeln schwebten wie kleine Seifenblasen durch das Zimmer und verbreiteten ein warmes, goldenes Licht in jeder dunklen Ecke.
"Können wir mit diesen leuchtenden Blasen spielen und sie vielleicht sogar fangen?" fragte Emma, die ihre Angst nun völlig vergessen hatte. Ifix nickte eifrig und ließ die Lichtkugeln um die Köpfe der Kinder tanzen, bis das ganze Zimmer wie ein Sternenhimmel aussah.
Er erzählte ihnen Geschichten von fliegenden Walen und von Bergen, die komplett aus köstlichem Vanilleeis und Erdbeersauce bestanden. Lukas streckte seine Hand aus und spürte ein angenehmes Kitzeln, als eine der Kugeln direkt auf seinem Handteller landete.
"Du bist der netteste Poltergeist, den man sich in einem alten Haus nur vorstellen kann" rief Lukas begeistert und klatschte leise in die Hände. Ifix freute sich so sehr über das Lob, dass er eine kleine Ehrenrunde unter der Zimmerdecke flog und dabei Purzelbäume schlug. Er zeigte den Kindern, wie man aus Schatten an der Wand lustige Tiere bastelt, die gar nicht gruselig waren.
Ein einfacher Schatten eines Stuhls wurde durch Ifix' Zauberei plötzlich zu einem freundlichen Hund, der mit dem Schwanz wedelte. Die Zeit verging wie im Flug und die Kinder merkten gar nicht, wie schwer ihre Augenlider vor lauter Glück wurden. Ifix holte eine winzige Flöte aus Holz hervor und begann, eine Weise zu spielen, die so sanft wie fallende Schneeflocken klang.
"Legt euch nun schlafen und träumt von den schönsten Orten, die ihr jemals gesehen habt" flüsterte der kleine Poltergeist den beiden Geschwistern zu. Er deckte Emma vorsichtig bis zu den Schultern zu und legte den Teddybären wieder ordentlich in ihren Arm. Lukas kuschelte sich tief in sein weiches Kissen und lauschte den letzten Tönen der zauberhaften Melodie, die im Raum schwebte.
"Wirst du auch morgen wiederkommen und uns diese tollen Geschichten vom Eisberg erzählen?" murmelte Lukas kurz bevor er in den tiefen Schlaf hinübergleiten konnte.
Ifix setzte sich auf die Bettkante und versprach den Kindern mit einem feierlichen Handschlag, dass er ihr treuer Wächter bleiben würde. Er wartete geduldig am Fensterbrett, bis der Atem der Kinder gleichmäßig und ruhig durch das dunkle Zimmer ging. Der kleine Poltergeist fühlte sich in dieser Nacht besonders wichtig und glücklich über seine neue und wunderbare Aufgabe.
Er räumte noch schnell die Bausteine vom Boden weg, damit am nächsten Morgen niemand im Zimmer stolpern würde. Dann verschwand er leise durch das Schlüsselloch, um in seinem gemütlichen Bett aus weicher Wolle von neuen Abenteuern zu träumen.
Die Nacht war nun still und friedlich, während der Mond schützend über das Haus im verwunschenen Wald wachte. Ifix wusste nun ganz genau, dass er kein gewöhnlicher Geist war, sondern ein wahrer Freund für die Menschen. Jede Nacht kehrte er zurück und malte bunte Bilder in die Träume von Lukas und der kleinen Emma.
Das Haus am Waldrand war nun kein unheimlicher Ort mehr, sondern ein Zuhause voller Magie und kleiner Wunder. Wenn man ganz genau hinhörte, konnte man das leise Lachen von Ifix noch heute im Wind hören.




