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Der Drache, der den Drachenwald bewachte - eine feurige Gute-Nacht-Geschichte

  • Autorenbild: Michael Mücke
    Michael Mücke
  • 15. Jan.
  • 4 Min. Lesezeit
Grisu und Ritter Leopold stehen im Drachenwald

Es war einmal eine Zeit, in der die Welt noch voller Geheimnisse steckte und hinter den hohen Bergen ein Ort lag, den die Menschen nur aus alten Legenden kannten. Dieser Ort wurde der Drachenwald genannt, ein magisches Reich, in dem die Bäume silberne Blätter trugen und die Bäche nach frischen Erdbeeren schmeckten.


Inmitten dieses Waldes lebte ein riesiger, aber sehr freundlicher Drache namens Grisu, dessen Schuppen in allen Farben des Regenbogens leuchteten und im Sonnenlicht wie tausend kleine Edelsteine funkelten.


Grisu war der offizielle Wächter dieses Waldes und seine wichtigste Aufgabe war es, die kleinen Feen, die leuchtenden Einhörner und die sprechenden Dachse vor der Außenwelt zu beschützen.


Er liebte seine Heimat über alles und wusste ganz genau, dass die Menschen den Wald zerstören würden, wenn sie jemals seine magischen Schätze finden sollten.


Eines Morgens geschah jedoch etwas Ungewöhnliches, denn am äußersten Rande des Waldes tauchte ein kleiner Ritter in einer glänzenden Rüstung auf, die im Licht der aufgehenden Sonne hell aufleuchtete. Der Ritter hieß Leopold und er war überhaupt nicht wie die anderen Ritter, die nur nach großem Ruhm und schwerem Gold suchten.


Leopold hatte ein besonders weiches Herz und wollte eigentlich nur herausfinden, ob die Geschichten über den singenden Wald und die schwebenden Blumen wirklich wahr waren. Als Grisu den Ritter entdeckte, stieß er eine kleine Wolke aus glitzerndem, nach Vanille duftendem Rauch aus und landete sanft auf einer Mooslichtung.


"Wer bist du und was suchst du an diesem geheimen Ort, den kein Mensch betreten darf?" fragte der Drache mit einer Stimme, die wie ein tiefes Grollen klang, aber keineswegs bösartig oder bedrohlich war.


Leopold erschrak zuerst ein wenig und hielt sich an seinem kleinen Schwert fest, aber dann sah er die freundlichen Augen des Drachen und nahm seinen schweren Helm ab.


"Ich bin Ritter Leopold und ich möchte niemandem hier etwas Böses antun, denn ich bewundere die Natur." antwortete der kleine Mann mutig und verbeugte sich tief vor dem gewaltigen Wesen mit den bunten Schuppen.


Grisu merkte schnell mit seiner feinen Nase, dass Leopold kein gewöhnlicher Eindringling war, sondern jemand mit einer reinen und ehrlichen Seele. Er erzählte dem Ritter ausführlich von den Gefahren, die drohten, wenn die anderen Menschen mit ihren Äxten und Karren den Weg in den Drachenwald finden würden. Gemeinsam schmiedeten sie einen klugen Plan, um den Wald für immer vor neugierigen Blicken und gierigen Entdeckern zu verbergen.


"Wir müssen einen Zauber aus dichtem Nebel und buntem Licht weben, damit die Wege für Fremde unsichtbar bleiben." erklärte Grisu seinem neuen Freund, während er mit seinem langen Schwanz eine Karte in den weichen Sand malte. Leopold nickte eifrig und versprach, dem Drachen mit all seiner menschlichen Kraft und seinem Verstand zu helfen.


Tagelang arbeiteten die beiden Seite an Seite, wobei der Drache den magischen Nebel mit tiefen Atemzügen pustete und der Ritter glitzernde Steine an den Waldrand legte.


Während ihrer anstrengenden Arbeit erzählten sie sich gegenseitig spannende Geschichten von ihren Abenteuern und lachten viel über die kleinen Missgeschicke der Vergangenheit.


Doch die Arbeit war viel schwerer als anfangs gedacht, denn der Wald war riesig und die komplexe Magie erforderte von beiden eine sehr hohe Konzentration. Leopold musste mutig auf die höchsten Felsen klettern, um dort die seltenen Leuchtsteine in ganz präzisen Mustern anzuordnen.


"Pass bitte gut auf dich auf da oben auf den nassen und glatten Steinen, kleiner Ritter." rief Grisu immer wieder besorgt von unten herauf und hielt seine großen Flügel bereit, falls sein Freund fallen sollte.


Der Ritter winkte jedes Mal mutig zurück und setzte einen funkelnden, blauen Saphir in eine kleine, verborgene Felsspalte ein. Plötzlich begann der ganze Berg sanft zu vibrieren und ein helles blaues Licht schoss wie eine Rakete hoch in den dunklen Abendhimmel.


Dies war das lang ersehnte Zeichen für die anderen magischen Wesen, dass die unsichtbare Schutzmauer nun fast vollständig fertiggestellt war. Die kleinen Waldfeen kamen neugierig aus ihren Verstecken hervor und begannen, mit ihren glitzernden Flügeln um Leopolds Kopf zu tanzen.


"Vielen Dank für deine Hilfe, edler Ritter, du hast unser Zuhause gerettet." flüsterten die winzigen Wesen mit Stimmen, die wie kleine Silberglöckchen im Wind klangen.


Eines sonnigen Nachmittags hörten sie plötzlich laute Stimmen und das Klirren von schwerem Metall am fernen, staubigen Horizont. Eine Gruppe neugieriger Abenteurer hatte sich fest vorgenommen, das Geheimnis des Waldes zu lüften und den legendären Drachen endlich zu fangen. Grisu wollte gerade einen gewaltigen Feuerball in die Luft schießen, um sie lautstark zu verscheuchen, doch Leopold hielt ihn ganz sanft am großen Flügel fest.


"Lass uns lieber unseren geheimen Plan anwenden und sie friedlich in die Irre führen, ohne dass jemand verletzt wird." flüsterte der Ritter seinem großen Freund beruhigend zu. Gemeinsam aktivierten sie die magische Barriere aus funkelndem Nebel und bunten, tanzenden Irrlichtern, die Leopold zuvor so sorgfältig vorbereitet hatte.


Die Abenteurer sahen plötzlich nur noch eine dichte, undurchdringliche Wand aus rosa Zuckerwattenebel und hörten das ferne, wunderschöne Singen von unsichtbaren Vögeln.


"Hier gibt es anscheinend nichts außer gewöhnlichen alten Bäumen und viel zu viel feuchtem Nebel." rief einer der Männer enttäuscht und sie kehrten alle gemeinsam zu ihrer Burg zurück.


Grisu und Leopold klatschten sich vor großer Freude ab, wobei die riesige Tatze des Drachen fast die gesamte Rüstung des kleinen Ritters verdeckte. Der Drachenwald war nun sicherer als jemals zuvor in seiner langen Geschichte und die magischen Kreaturen konnten wieder friedlich und ohne Angst spielen.


Der Drache war so unendlich dankbar für die treue Hilfe des kleinen Ritters, dass er ihn feierlich zu einem Ehrengast des Waldes ernannte.


"Du darfst für immer hier bei uns bleiben und mit uns zusammen über dieses wunderbare Reich wachen." sagte Grisu feierlich und legte eine schützende, warme Kralle um seinen besten Freund.


Leopold war überglücklich und fühlte sich zum ersten Mal in seinem ganzen Leben richtig sicher und zu Hause. Von diesem Tag an bewachten der bunte Drache und der mutige Ritter gemeinsam den Wald und sorgten dafür, dass die Magie niemals verloren ging.


Nachts lagen sie oft im weichen, duftenden Gras und beobachteten die funkelnden Sternbilder, während die Einhörner leise Lieder für sie sangen. Nun wusste jeder Bewohner im Wald, dass eine wahre Freundschaft selbst die stärksten Zauber noch viel mächtiger machen kann.


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