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Nora Nodosaurus und die Schlafwolke - eine Dinosaurier Kinder Geschichte zum Träumen

  • Autorenbild: Michael Mücke
    Michael Mücke
  • 11. Nov. 2025
  • 4 Min. Lesezeit
Nora liegt auf der schwebenden Schlafwolke für  Dinosaurier

Nora Nodosaurus lebte in einer weiten Ebene, die so still war, dass man manchmal das Fallen einer einzelnen Blüte hören konnte. Ihr Zuhause war ein weiches Nest aus Farnen, verborgen zwischen hohen Steinen, die über Jahrhunderte von Wind und Regen glattgeschliffen worden waren.


Tagsüber mochte Nora es, durch das Gras zu stapfen und mit ihrer Nase die Spuren anderer Tiere zu erschnuppern. Doch am allerliebsten war ihr die Stunde, wenn die Sonne sank und die Farben der Welt sich leise verwandelten.


Dann glühte der Himmel in mattem Orange, die Luft wurde kühler, und ein süßer Duft von feuchter Erde breitete sich aus. Nora liebte diesen Übergang, wenn alles zwischen Wachen und Schlafen schwebte.


Sie suchte sich einen Platz am kleinen See und beobachtete, wie die Spiegelung des Himmels im Wasser flimmerte. Der Wind strich sacht über ihre gepanzerten Rückenplatten und flüsterte Geschichten, die sie nie ganz verstand.


An diesem Abend aber war die Luft anders. Sie fühlte sich schwerer an, beinahe weich, als wäre der Himmel aus Stoff. Die Sonne verschwand, und über den Hügeln tauchte eine Wolke auf, die sich von allen anderen unterschied.


Sie war nicht grau oder weiß, sondern schimmerte in sanften Tönen von Perlmutt, als würde jemand Licht in Watte mischen. Nora hob den Kopf und sah, wie sie langsam tiefer sank, bis sie fast den Boden berührte.


Ein feiner Duft von warmem Tau und süßen Kräutern lag plötzlich in der Luft. Dann hörte Nora ein Geräusch, leise wie das Rascheln eines Schlafliedes. Es kam von der Wolke. „Nora Nodosaurus,“ sagte eine Stimme, sanft und klar, „ich habe dich schon oft gesehen. Du wanderst so friedlich durch die Dämmerung, aber du schläfst selten wirklich tief. Willst du, dass ich dich in den echten Schlaf bringe?“


Nora staunte. „Wer bist du?“, fragte sie und neigte neugierig den Kopf.


„Ich bin die Schlafwolke,“ antwortete die Stimme. „Ich reise jede Nacht über die Welt, um jenen zu helfen, deren Gedanken noch zu laut sind, wenn die Sterne kommen.“


Nora dachte nach. Es stimmte – manchmal konnte sie nicht gut einschlafen. Sie hörte das Flattern von Nachtinsekten, das ferne Tropfen des Sees, und ihr Kopf blieb voller kleiner Fragen, die keine Antworten brauchten, aber trotzdem blieben. Also nickte sie langsam. „Ja,“ sagte sie leise, „ich möchte wissen, wie sich echter Schlaf anfühlt.“


Die Schlafwolke senkte sich tiefer, bis Nora sie berühren konnte. Sie fühlte sich nicht wie Wasser und nicht wie Luft an. Sie war weich, aber sie hatte eine sanfte Kraft, als könnte sie tragen. Nora legte sich vorsichtig darauf, und die Wolke begann, sich zu bewegen – kaum merklich zuerst, dann schwebte sie sanft in die Höhe.


Unter ihr verschwand das Tal in Dunkelblau, und das Flimmern des Sees wurde zu einem einzelnen, glitzernden Punkt. Über ihr breitete sich der Himmel aus, still und weit, übersät mit Sternen, die so hell waren, dass Nora den Atem anhielt. Die Wolke glitt lautlos dahin, und jedes Mal, wenn der Wind sie berührte, leuchtete sie schwach auf.


„Wohin bringst du mich?“, fragte Nora, die sich vorsichtig an den Rand der Wolke legte.


„Dorthin, wo die Träume beginnen,“ sagte die Stimme. „Es ist kein Ort, den man sehen kann. Aber man kann ihn spüren, wenn man ganz still wird.“


Die Wolke trug Nora durch einen Himmel, der immer heller wurde, je weiter sie schwebten. Um sie herum bildeten sich zarte Schleier aus Licht, die wie Tänzer schwebten und im Vorüberziehen leise Melodien summten. Manchmal glitzerten winzige Punkte darin – Tröpfchen aus reiner Erinnerung, wie die Wolke erklärte.


„Jede dieser Lichter ist ein Traum, der gerade entsteht,“ flüsterte sie. „Manche gehören Kindern, manche alten Wesen, manche Tieren. Träume sind wie Samen, die im Dunkeln wachsen, bis jemand sie sieht.“


Nora lauschte gebannt. Sie spürte, wie ihre Gedanken langsamer wurden, wie sie tiefer atmete, als würde die Luft süßer. Unter ihnen sah sie eine Landschaft, die sich ständig veränderte – Felder aus schimmerndem Sand, Wälder aus gläsernen Blättern, Flüsse, die in der Luft schwammen. Alles schien friedlich, weich und unendlich weit.


Sie bemerkte plötzlich eine kleine Gestalt am Rand eines dieser Lichtfelder. Es war ein winziges Wesen, das wie aus Nebel geformt war.


Es winkte und rief: „Willkommen, Reisende! Wir bewahren die ruhigen Gedanken auf, die vergessen wurden.“

Nora wollte etwas sagen, doch die Wolke flüsterte: „Sprich nicht. Manchmal ist Schweigen die Sprache des Schlafs.“ 


Also schwieg Nora, und die Stille fühlte sich nicht leer an, sondern voll – wie ein Raum, in dem jedes Geräusch, jeder Atemzug Teil eines großen, ruhigen Liedes war.


Langsam begann sie zu verstehen, dass diese Reise gar nicht dazu diente, irgendwohin zu kommen. Es war eine Reise nach innen, dorthin, wo der Kopf aufhört zu denken und das Herz einfach lauscht.


Die Schlafwolke wurde nun langsamer und senkte sich in eine weite Ebene aus silbrigem Nebel. „Hier endet meine Reise,“ sagte sie. „Von hier aus gleitest du allein weiter, in deinen eigenen Traum.“


Nora spürte, wie sich die Wolke unter ihr zu lösen begann. Sie lag nun schwerelos im Nebel, und ein Gefühl von Wärme stieg in ihr auf. Sie dachte an das Tal, an den See, an die leisen Geräusche der Nacht. Alles mischte sich miteinander, als würde die Welt selbst schlafen.


„Danke,“ flüsterte sie, „ich glaube, jetzt weiß ich, wie man loslässt.“


Die Wolke antwortete sanft: „Wenn du morgen erwachst, wirst du dich nicht an alles erinnern. Aber dein Schlaf wird wissen, dass du hier warst.“


Dann wurde alles still. Der Nebel umhüllte sie, der Himmel verblasste, und Nora glitt in einen Traum, der sich anfühlte wie ein unendliches Ausatmen.


Als sie schließlich erwachte, war das erste Licht des Morgens über den Hügel gekrochen. Der See glitzerte, und ein einzelner Streifen Nebel zog über das Wasser – schimmernd, wie die Schlafwolke in der Nacht.


Nora richtete sich auf, spürte die Ruhe in ihrem Körper und lächelte leise. „Vielleicht,“ flüsterte sie, „kommt sie wieder, wenn die Sterne wach sind.“


Dann legte sie sich zurück in ihr Nest aus Farnen, schloss die Augen und ließ den Tag beginnen – leicht, still und voller Frieden, als trüge sie ein Stück der Schlafwolke noch immer in sich.

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