Lunas Reise durch das Land der fliegenden Betten - eine wundervolle Gute-Nacht-Geschichte
- Michael Mücke

- 3. Jan.
- 4 Min. Lesezeit

Es war ein Abend, an dem der Mond besonders hell und silbrig am Nachthimmel über dem kleinen Haus von Luna leuchtete. Luna lag bereits unter ihrer kuscheligen Decke und betrachtete die tanzenden Staubkörner im Lichtstrahl, der durch das Fenster fiel.
Plötzlich spürte sie ein sanftes Zittern unter ihrem Rücken und ihr Bett begann ganz vorsichtig zu schweben. Erst hob es sich nur ein paar Zentimeter vom Boden ab, doch dann schwebte es langsam aus dem offenen Fenster hinaus in die milde Nachtluft.
Luna hielt sich an den Pfosten ihres Bettes fest und flüsterte ganz leise "Wo fliegen wir denn hin, mein liebes Kuschelbett?" Das Bett antwortete nicht mit Worten, sondern wippte nur fröhlich auf und ab, während es immer höher in den fernen Sternenhimmel stieg.
Schon bald befand sich Luna über den Wolken, die wie riesige Haufen aus weißer Zuckerwatte unter ihr vorbeizogen. In der Ferne sah sie ein buntes Leuchten und hörte ein leises Quietschen und Kichern, das mit jedem Meter immer lauter wurde.
Sie erreichte das Land der fliegenden Betten, wo hunderte Schlafstätten in allen Farben und Formen durch die Luft segelten. Ein kleiner Junge auf einem knallroten Bett schwebte an ihr vorbei und winkte ihr freudig zu.
Er rief mit einer hellen Stimme "Willkommen in unserem Reich, du musst die neue Besucherin Luna sein!" Luna staunte über die vielen Lichter, die wie kleine Laternen an den Bettpfosten der anderen Kinder hingen und den Weg erhellten.
Plötzlich bemerkte Luna, dass ihr Bett von ganz alleine wusste, wohin die Reise gehen sollte. Sie fragte neugierig in die Nacht hinein "Gibt es hier auch Abenteuer zu erleben oder schlafen alle nur?"
Wie als Antwort begannen überall am Himmel kleine, funkelnde Sterne wie Schneeflocken herabzuregnen und die Kinder versuchten sie mit ihren Kissen einzufangen. Luna streckte ihre Arme aus und erwischte einen besonders hellen Stern, der in ihren Händen angenehm warm kribbelte.
Als sie den Stern berührte, sah sie ein Bild von einer grünen Wiese und hörte das Lachen ihrer besten Freunde. Eine sanfte Stimme aus dem Wind flüsterte ihr zu "Das hast du ganz wunderbar gemacht, denn das war ein Traum voller Freundschaft."
Ihr Bett machte einen freudigen Satz zurück in den Nachthimmel und gleitete nun über eine weite Ebene aus schwebenden Seifenblasen. Luna beobachtete, wie sich ihre eigene Bettdecke plötzlich in eine bunte Landkarte verwandelte, auf der kleine goldene Wege erschienen.
Ein kleiner Zwerg auf einem fliegenden Nachttisch sauste an ihr vorbei und rief mit einer sehr tiefen Stimme "Vergesst nicht, beim Schokobrunnen rechts abzubiegen, sonst landet ihr im Land der hellwachen Wecker!"
Luna lachte bei der Vorstellung von lärmenden Weckern und lenkte ihr Bett stattdessen zu einem großen See aus warmer Milch. Sie tunkte ihre Fingerspitzen in die süße Flüssigkeit und Luna rief voller Begeisterung "Das schmeckt ja genau wie bei Oma in der gemütlichen Küche!"
In der Mitte des Milchsees entdeckten sie einen riesigen Schwan, der aus feinstem Porzellan zu sein schien. Der Schwan neigte seinen langen Hals und sprach mit einer Stimme, die wie kleine Glocken klang "Trage diesen funkelnden Edelstein bei dir, damit du im Dunkeln niemals die Angst verspüren musst."
Er reichte Luna einen kleinen, blau leuchtenden Stein, den sie sicher in ihrer Schlafanzugtasche verstaute. Unter einer Brücke aus echtem Regenbogen spielten kleine Traumkätzchen mit Wollknäueln aus Silberdraht und machten dabei sehr zufriedene Geräusche.
Luna fühlte sich so geborgen wie noch nie zuvor auf ihrer Reise durch diese wundersame Welt voller kleiner und großer Geheimnisse.
Sie erreichten schließlich den Wald der Kuscheltiere, wo riesige Bären aus Moos und kleine Hasen aus Wolkenwolle friedlich zwischen den Bäumen schlummerten.
Ein großer Löwe mit einer Mähne aus weichen Federn öffnete ein Auge und sagte mit einem gütigen Brummen "Pass gut auf deine Träume auf, kleine Luna, denn sie sind die Flügel deiner Fantasie." Luna versprach es ihm hoch und heilig und streichelte im Vorbeifliegen über sein weiches Fell.
Die Reise führte sie weiter zum Schloss des Sandmanns, einem freundlichen alten Herrn mit einer Mütze aus Silberfäden. Er begrüßte sie und sagte freundlich "Schön dass du da bist, hilf mir doch bitte beim Sortieren der bunten Traumperlen."
Luna durfte mit einer goldenen Kelle in eine große Schüssel voller funkelnder Perlen greifen, die herrlich nach Vanillepudding dufteten. Der Sandmann reichte Luna eine ganz besondere, regenbogenfarbene Perle und flüsterte ihr ins Ohr "Diese hier ist nur für dich, damit dein Schlaf heute Nacht besonders magisch wird."
Luna bemerkte nun, wie die Musik der singenden Kissen im Tal unter ihr immer leiser und sanfter wurde. Ihr Bett neigte sich nun ganz behutsam zur Seite und begann eine lange, ruhige Gleitfahrt zurück durch die watteweichen Wolkenschichten.
Luna schaute noch einmal zurück und rief mit einer kräftigen Stimme "Auf Wiedersehen, ihr wunderbaren Wesen, ich werde euch ganz bestimmt bald wieder besuchen kommen!"
Sacht und ohne ein einziges Geräusch schwebte das Bett durch das Fenster zurück und landete punktgenau auf den vier Beinen im Zimmer. Luna spürte, wie die gewohnte Schwere der Nacht sie nun endgültig einhüllte und ihr Kopf ganz tief in das weiche Kissen einsank. Sie hielt den blauen Edelstein und die regenbogenfarbene Perle in ihren Gedanken ganz fest umschlossen, während sie einschlief.
Draußen am Himmel zwinkerte der Mann im Mond ihr noch einmal zu und passte auf sie auf. Luna war nun bereit für die allerschönsten Träume, die sie sicher durch die restliche Nacht begleiten sollten.




