Die Traumfängerbande - eine spannende Gute-Nacht-Geschichte
- Michael Mücke

- 2. Dez. 2025
- 4 Min. Lesezeit

In einer stillen Stadt am Rand eines großen Waldes lebten drei Kinder, die sich selbst die Traumfängerbande nannten, weil sie jede Nacht die seltsamsten Träume einfingen und daraus wunderbare Abenteuer machten. Jedes Kind hatte ein kleines Buch, in das es die nächtlichen Erlebnisse sorgfältig eintrug, damit kein Traum jemals verloren ging.
Sie trafen sich jeden Abend auf dem weichen Teppich im Wohnzimmer von Lias Familie, wo eine alte Stehlampe warmes Licht über die bunten Kissen warf. Lia, Jorin und Milea liebten diese Stunde, weil alles dann ruhig wurde und ihre Fantasie besonders lebendig klang.
An diesem Abend erzählte Milea von einem Traum, der sie immer noch zum Staunen brachte. Sie hatte eine gewaltige goldene Uhr gesehen, die mitten im Wald stand und von einem sonderbaren Summen umgeben war.
In ihrem Traum hörte sie eine Stimme, die sagte "Kommt näher und folgt dem Klang", woraufhin sie neugierig geworden war. Die drei Kinder sahen sich an und spürten die gleiche Aufregung, die sie jedes Mal erfüllte, wenn ein Traum wie eine Einladung klang.
Jorin schlug vor, am nächsten Nachmittag den Wald zu besuchen, weil sie hofften, dort vielleicht ein Zeichen der geheimnisvollen Uhr zu entdecken. Am nächsten Tag gingen sie durch das hohe Gras und lauschten auf jedes ungewohnte Geräusch.
Die Sonne schimmerte sanft zwischen den Zweigen, und der Wind bewegte die Blätter wie flüsternde Hände. Die Kinder folgten einem schmalen Pfad, der sich zwischen Farnen hindurchschlängelte und immer tiefer in den Wald führte.
Nach einer Weile hörten sie ein leises Brummen, das genau wie in Mileas Traum klang. Sie blieben stehen und schauten sich großäugig an, weil sie nicht sicher waren, ob ihre Ohren ihnen einen Streich spielten.
Doch das Brummen wurde lauter und schien aus einer moosigen Senke zu kommen, die hinter einer Reihe alter Bäume lag. Sie gingen vorsichtig näher und entdeckten eine kreisrunde Lichtung mit einer seltsam glatten Oberfläche in der Mitte.
Auf dieser Fläche stand eine glänzende Uhr, so groß wie ein Fass, die im Sonnenlicht schimmerte und ein tiefes rhythmisches Summen von sich gab. Lia flüsterte erstaunt "Das sieht genauso aus wie in deinem Traum", woraufhin Milea glücklich nickte.
Die Zeiger der Uhr bewegten sich langsam, doch ihre Bewegungen wirkten zugleich wie ein Tanz, der die Luft um sie herum zum Vibrieren brachte.
Plötzlich ertönte eine sanfte Stimme, die ihnen zuflüsterte "Nur echte Traumfänger können den Weg öffnen". Die Kinder zuckten zusammen, weil sie nicht wussten, woher die Stimme kam, doch sie hielten tapfer inne und lauschten.
Jorin bemerkte einen kleinen Schlitz an der Seite der Uhr, der wie ein Kartenfach aussah, obwohl er in solchem Gerät eigentlich nichts zu suchen hatte. Die drei fragten sich, was hineingehörte, bis Lia ihr Traumtagebuch aus der Tasche nahm und aufklappte.
Sie sah eine der gezeichneten Traumseiten, auf der genau diese Lichtung zu erkennen war, obwohl sie sie noch nie zuvor gesehen hatte. Vorsichtig riss sie die Seite heraus und hielt sie den anderen hin.
Gemeinsam schoben sie das Papier in den schmalen Schlitz, woraufhin die Uhr zu leuchten begann. Ein weiches Beben ging durch den Boden und ein Kreis aus glitzerndem Licht öffnete sich vor ihnen wie ein Tor.
Die Stimme ertönte erneut und sagte "Tretet ein und folgt euren Träumen", und obwohl die Kinder überrascht waren, gingen sie mutig voran, da sie einander vertrauten und neugierig waren.
Das Licht umhüllte sie wie warmer Morgendunst und trug sie in eine Welt, die gleichzeitig fremd und vertraut wirkte. Sie standen plötzlich auf einem breiten Pfad aus funkelnden Steinchen, die im Licht eines großen silbernen Mondes glitzerten.
Neben dem Pfad wuchsen Bäume mit flauschigen Kronen, die leise sangen, sobald der Wind sie berührte. Die Melodien waren weich und klangen wie Erinnerungen an schöne Sommerabende.
Die Kinder gingen weiter und staunten über die Wesen, die ihnen begegneten, denn viele sahen aus wie freundliche Gestalten aus ihren eigenen Träumen. Einige trugen lange Umhänge oder schillernde Masken, andere hatten federartige Haare oder funkelnde Augen.
Ein kleines Wesen mit einem leisen Kichern sprang auf einem Ast über ihnen hin und her und rief "Willkommen im Reich der gesammelten Träume", bevor es wieder verschwand.
Die drei gingen weiter und gelangten zu einem Platz, an dem ein Turm aus gläsernen Scheiben in den Himmel ragte. Die Scheiben drehten sich und nahmen die Farben ihrer Umgebung an, sodass der Turm ständig sein Aussehen veränderte.
Inmitten der Drehscheiben erschien eine Gestalt, die aus hellem Nebel zu bestehen schien. Sie sagte "Ihr habt den Traumweg geöffnet, weil eure Träume sorgfältig bewahrt werden", und nickte ihnen freundlich zu.
Die Gestalt erklärte ihnen, dass jede Nacht ein neuer Traum im Turm gesammelt wurde, damit er nicht verloren ging. Manche Träume brauchten jedoch besondere Hüter, weil sie wichtige Geschichten enthielten, die nur von den richtigen Menschen weitergeführt werden konnten.
Die Kinder hörten aufmerksam zu und fühlten sich geehrt, als die Gestalt ihnen erklärte "Ihr seid die Hüter dieses Pfades", weil sie durch ihre Traumtagebücher bereits viele Geschichten beschützt hatten. Die Gestalt bat sie, weiterhin aufmerksam zu träumen und ihre Erlebnisse festzuhalten, damit der Traumweg für immer bestehen konnte.
Die drei versprachen es, weil sie diese Welt ebenso faszinierend fanden wie ihre eigene.
Als sie schließlich zurück auf die Lichtung traten, schloss sich das glitzernde Tor leise hinter ihnen, und das Summen der Uhr verklang langsam.
Die Sonne stand nun tiefer und warf sanfte Strahlen durch die Baumkronen. Die Kinder sahen sich an und wussten ohne Worte, dass sie ein Geheimnis teilten, das ihre Freundschaft noch besonderer machte.
Auf dem Rückweg sprachen sie darüber, welche Träume sie als nächstes aufnehmen wollten. Milea lächelte und sagte "Vielleicht öffnet sich der Weg wieder" und Lia fügte hinzu "Wir sollten jeden Traum ernst nehmen", während Jorin zustimmend nickte. Sie gingen beschwingt nach Hause und fühlten sich reich an neuen Erinnerungen.
Später im Wohnzimmer schrieben sie alles auf, was sie erlebt hatten, damit keine Einzelheit verloren ging.
Die Stehlampe warf ein warmes Licht über die Seiten und ließ die Schrift besonders lebendig wirken. Draußen sang der Wind leise im Garten, und die Nacht kroch langsam in die Häuser.
Als die Kinder schließlich einschliefen, lagen ihre Traumtagebücher ordentlich bereit. Jeder von ihnen wusste, dass die Traumfängerbande noch viele Abenteuer erleben würde. Und so begann eine Zeit voller nächtlicher Reisen, neuer wundersamer Entdeckungen und Geschichten, die nur darauf warteten, erzählt zu werden.




