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Die Socke, die auf Abenteuer ging - eine Kindergeschichte zum Einschlafen

  • Autorenbild: Michael Mücke
    Michael Mücke
  • 1. Jan.
  • 4 Min. Lesezeit
Die Socke Sausewind springt aus der Schublade um neue Abenteuer zu erleben

Es war einmal eine kleine, geringelte Socke namens Sausewind, die tief unten in einer dunklen, aber gemütlichen Schublade wohnte. Sausewind war keine gewöhnliche Socke, denn sie hatte leuchtend gelbe und himmelblaue Streifen, die fast so aussah wie ein kleiner Regenbogen am Fuß.


Während die anderen Socken in der Schublade am liebsten den ganzen Tag schliefen und davon träumten, ordentlich zusammengelegt zu werden, spürte Sausewind ein seltsames Kribbeln in ihren Wollfäden.


Sie wollte nicht mehr nur darauf warten, dass der große Mensch sie herausholte, um sie für einen Spaziergang zum Kindergarten anzuziehen. Eines Abends, als der Mond silbern durch das Fenster schien und alle im Haus tief und fest schliefen, passierte etwas Unglaubliches.


Die Schublade war einen winzigen Spalt offen geblieben, weil das Kind am Abend zuvor sehr müde gewesen war. Sausewind nutzte die Gelegenheit, rüttelte kräftig an ihrem Fersenstück und hüpfte mit einem leisen Plopp aus dem Schrank direkt auf den weichen Teppichboden.


"Heute ist der Tag, an dem ich die Welt entdecke," flüsterte die kleine Socke mutig vor sich hin. Sie watschelte auf ihrem Zehenteil durch das Kinderzimmer und staunte über die Spielzeugautos, die wie schlafende Käfer im Mondlicht glänzten.


Plötzlich hörte sie ein leises Schnarchen, das unter dem Bett hervorkam. Sausewind schlich näher und entdeckte den alten Teddybären namens Brummel, der dort seinen Winterschlaf hielt.


"Entschuldige bitte, Herr Bär, weißt du, wo der Weg zum großen Abenteuer führt?" fragte Sausewind mit einer feinen Stimme.


Der Teddybär öffnete ein Auge, brummte freundlich und zeigte mit seiner weichen Pfote in Richtung der halb offenen Zimmertür.


"Das Abenteuer wartet hinter der Schwelle, kleiner Freund, aber nimm dich vor den gefräßigen Staubmäusen in Acht," antwortete der Bär und schlief sofort wieder ein.


Sausewind schluckte kurz, nahm aber ihren ganzen Mut zusammen und hüpfte über die glatte Holzschwelle hinaus in den langen Flur. Der Flur wirkte in der Nacht riesig wie eine dunkle Schlucht, und die hohen Wände machten Sausewind ein wenig Angst.


Doch schon bald traf sie auf einen glänzenden Staubsaugerroboter, der einsam an seiner Ladestation stand. Der Roboter blinkte mit einem grünen Licht, was Sausewind als ein freundliches Lächeln deutete.


"Guten Abend, Herr Roboter, hast du vielleicht ein Abenteuer für eine kleine Socke übrig?" rief sie dem technischen Gerät zu.


Der Roboter gab ein kurzes Surren von sich und drehte sich ein kleines Stück im Kreis. "Ich kenne nur den Weg der Sauberkeit, aber hinter der Küche gibt es eine geheime Klappe, die in den Garten führt," piepste die Maschine leise.


Sausewind bedankte sich höflich und machte sich auf den Weg in die Küche, wo es herrlich nach Apfelkuchen und Zimt duftete. Auf dem Küchentisch saß eine dicke, getigerte Katze, die neugierig ihre Ohren aufstellte, als sie das Rascheln der Socke hörte.


"Was sucht eine einzelne Socke mitten in der Nacht auf meinen Fliesen?" fragte die Katze und putzte sich dabei in aller Seelenruhe die Pfote. Sausewind antwortete mit fester Stimme, dass sie auf einer großen Expedition sei, um die Wunder außerhalb der Schublade zu sehen.


Die Katze lachte ein schnurrendes Lachen und stieß mit ihrer Nase die kleine Katzenklappe an der Hintertür auf. "Dann geh hinaus ins Gras, denn dort glitzert der Tau wie echte Diamanten," sagte die Katze und legte sich wieder zum Schlafen hin.


Sausewind schlüpfte durch die Klappe und fand sich plötzlich in einer Welt wieder, die viel schöner war als alles, was sie sich jemals vorgestellt hatte. Der Garten war in ein sanftes blaues Licht getaucht und die Blumen neigten ihre Köpfe im sanften Nachtwind.


Die kleine Socke hüpfte über die feuchte Wiese und fühlte, wie ihre Wolle ein wenig nass wurde, was sich aber sehr erfrischend anfühlte. An einem kleinen Teich traf sie einen grünen Frosch, der auf einem Seerosenblatt saß und in den Sternenhimmel blickte.


"Quack, bist du eine verlorene Schlange oder nur ein Stück Stoff auf Wanderschaft?" fragte der Frosch interessiert. Sausewind erklärte stolz ihre Mission und erzählte von ihrer Reise aus der dunklen Schublade bis hierher in den Garten.


Der Frosch war so beeindruckt von ihrem Mut, dass er ihr ein kleines Lied auf seiner Kehle vorspielte. "Das Leben ist viel zu kurz, um nur in einem Schrank zu liegen," sang der Frosch mit seiner tiefen Stimme.


Sausewind tanzte ein wenig im Takt des Liedes und fühlte sich so frei wie noch nie zuvor in ihrem Sockenleben.


Nach einer Weile bemerkte sie jedoch, dass der Himmel am Horizont langsam ein wenig heller wurde und die ersten Vögel zu zwitschern begannen. Sie wusste, dass sie bald zurück sein musste, damit das Kind sie am Morgen nicht vermissen würde.


Mit schweren, nassen Fäden machte sie sich auf den Rückweg durch die Katzenklappe und über den glatten Flur. Als sie wieder vor dem Bett ankam, kletterte sie mühsam an einer herabhängenden Wolldecke nach oben in Richtung der Schublade.


Kurz bevor sie hineinschlüpfte, flüsterte sie dem Teddybären noch ein leises Wort des Abschieds zu. "Ich bin zurück von meiner Reise und habe die Sterne im Wasser gesehen," berichtete sie dem Bären glücklich.


Dann kuschelte sie sich ganz leise wieder neben ihren Partner, der immer noch fest schlief und von gar nichts wusste.


Als das Kind am nächsten Morgen die Schublade öffnete, wunderte es sich ein kleines bisschen über die winzigen Grashalme, die an der gelben Socke klebten. Das Kind zog Sausewind an und bemerkte, dass die Socke heute besonders warm und weich am Fuß saß. Sausewind lächelte innerlich und genoss den Tag im Kindergarten, während sie ihr Geheimnis gut hütete.


Sie wusste nun ganz genau, dass auch die kleinsten Dinge große Abenteuer erleben können, wenn sie nur mutig genug sind. In der nächsten Nacht würde sie vielleicht dem Hund im Wohnzimmer einen Besuch abstatten und von seinen Träumen erfahren.


Doch für den Moment war sie einfach nur glücklich, eine Socke mit einer wunderbaren Geschichte im Herzen zu sein.


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