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Die kleine Fee und der Schatten - eine magische Gute-Nacht-Geschichte

  • Autorenbild: Michael Mücke
    Michael Mücke
  • vor 3 Stunden
  • 6 Min. Lesezeit
Fibi die kleine Fee schwebt mit ihren Flügeln im Wald

Es war einmal eine winzige Fee namens Fibi, die in der Krone einer uralten Eiche wohnte. Fibi hatte Flügel, die wie buntes Glas in der Morgensonne schimmerten und ein Lachen, das wie kleine Silberglöckchen klang. Eines Abends, als die Sonne langsam hinter den purpurnen Bergen versank, passierte etwas sehr Merkwürdiges.


Fibi tanzte gerade über ein großes Kleeblatt, als sie bemerkte, dass ihr eigener Schatten plötzlich stehen blieb. Normalerweise folgte der Schatten jeder ihrer Bewegungen, doch heute Abend schien er ein ganz eigenes Leben zu führen. Der Schatten kratzte sich am Kopf und setzte sich gemütlich auf einen flachen Stein, während Fibi völlig verwundert in der Luft schweben blieb.


"Was machst du denn da unten auf dem Boden?" fragte Fibi mit einer piepsigen und neugierigen Stimme. Der Schatten schaute zu ihr auf und seine dunklen Umrisse zitterten ein wenig im fahlen Licht der Dämmerung.


"Ich bin heute einfach viel zu müde zum Mitkommen und möchte lieber hierbleiben." antwortete der Schatten mit einer Stimme, die so leise wie das Rascheln von trockenem Laub klang.


Fibi konnte ihren Ohren kaum trauen, denn sie hatte noch nie gehört, dass ein Schatten einfach Feierabend machen wollte. Ohne ihren Schatten fühlte sich die kleine Fee plötzlich ganz leicht und ein bisschen verloren in der großen Welt. Sie landete sanft neben ihrem dunklen Freund und versuchte ihn vorsichtig an der Hand zu ziehen, doch ihre Finger griffen nur ins Leere.


"Du kannst doch nicht hierbleiben, denn ohne dich bin ich gar nicht komplett." sagte Fibi und blickte dabei etwas traurig auf ihre kleinen Glitzerschuhe. Der Schatten seufzte tief und erklärte ihr, dass er den ganzen Tag lang über Stock und Stein gejagt war und nun eine Pause brauchte.


Fibi verstand das natürlich sehr gut, denn auch kleine Feen brauchen manchmal eine Ruhepause nach einem langen Tag voller Zauberei. Sie beschloss, ihrem Schatten eine Freude zu machen und suchte im hohen Gras nach den schönsten Schätzen des Waldes. Sie fand eine leere Nussschale, die als gemütliches Bett dienen konnte und legte weiches Moos hinein.


"Hier kannst du dich ausruhen und wir warten gemeinsam auf den silbernen Mondschein." flüsterte die kleine Fee und setzte sich ganz nah zu ihrem Schatten. Während sie dort saßen, beobachteten sie die Glühwürmchen, die wie kleine Laternen durch die dunklen Büsche schwebten.


Der Schatten fühlte sich durch die Gesellschaft von Fibi schon viel besser und fing an, lustige Figuren an die Rinde der alten Eiche zu werfen. Er formte einen riesigen Elefanten und danach einen gefährlichen Drachen, der jedoch eigentlich ganz lieb aussah. Fibi lachte laut und klatschte in ihre Hände, weil die Vorführung so unglaublich unterhaltsam war.


"Das ist das schönste Schattentheater, das ich jemals in meinem ganzen Leben gesehen habe." rief Fibi begeistert aus und wirbelte ein paar Mal im Kreis herum. Plötzlich merkte der Schatten, dass seine Müdigkeit wie durch Zauberhand verflogen war und er bekam wieder Lust auf ein Abenteuer. Er sprang vom Stein auf und stellte sich genau unter Fibis Füße, so wie er es schon immer getan hatte.


Die kleine Fee freute sich riesig und spürte, wie ihre magische Kraft durch die Verbindung wieder vollständig zurückkehrte. Gemeinsam flogen sie hoch hinauf in die Zweige der Eiche, wo ihr weiches Bett aus Pusteblumen bereits auf sie wartete.


"Morgen werden wir wieder gemeinsam über die Blumenwiesen sausen und um die Wette strahlen." versprach der Schatten, bevor er sich ganz flach und ruhig auf den Boden legte. Fibi kuschelte sich in ihre Decke aus Spinnenseide und schloss ihre müden Augen mit einem zufriedenen Lächeln im Gesicht. Der Wald war nun ganz still und nur das ferne Rufen einer Eule begleitete die beiden in das Reich der Träume.


In dieser Nacht träumten die Fee und ihr Schatten von fernen Ländern, in denen das Licht niemals ausging und die Farben niemals verblassten. Sie wussten nun ganz genau, dass sie zusammengehörten und niemals mehr getrennt sein wollten. Als der nächste Morgen anbrach und die ersten goldenen Sonnenstrahlen durch das dichte Blätterdach der Eiche fielen, kitzelten sie Fibi an der kleinen Nase. Fibi niese einmal kräftig und sah sofort nach unten, um zu prüfen, ob ihr treuer Schatten noch immer an Ort und Stelle war. Zu ihrer großen Erleichterung streckte sich die dunkle Gestalt am Boden genau in dem Moment, als Fibi ihre Arme weit in die Luft reckte.


"Guten Morgen, du Schlafmütze, bist du bereit für einen Tag voller Abenteuer und Glitzer?" rief Fibi fröhlich und hüpfte von ihrem Bett aus Pusteblumen direkt auf einen dicken Ast. Der Schatten nickte eifrig und tanzte flink über die raue Rinde des Baumes, während Fibi ihre Flügel mit ein wenig Morgentau putzte.


Die beiden beschlossen, zum großen Blaubeerfelsen zu fliegen, wo die süßesten Früchte des ganzen Waldes wuchsen und die Käfer gerne Wettrennen veranstalteten. Auf dem Weg dorthin trafen sie den alten Laubfrosch Ferdinand, der auf einem nassen Stein saß und sehr betrübt aus seinen großen Kulleraugen schaute.


"Was ist denn passiert, lieber Ferdinand, warum ziehst du so ein trauriges Gesicht an diesem herrlichen Morgen?" fragte Fibi und landete sanft auf einem Farnwedel direkt neben ihm. Ferdinand erklärte mit einem tiefen Quaken, dass er seine glückbringende Murmel in eine tiefe Felsspalte fallen gelassen hatte und seine kurzen Arme einfach nicht tief genug hineinreichten.


Fibi schaute in den dunklen Schlitz zwischen den Steinen, aber das Loch war viel zu schmal für ihre zarten Flügel und ihre feinen Kleider. Da hatte der Schatten eine fabelhafte Idee und löste sich ganz vorsichtig ein kleines Stück von Fibis Füßen ab, um flach wie ein Blatt Papier in die Spalte zu gleiten.


"Ich kann die Murmel zwar nicht anfassen, aber ich kann dir zeigen, wo sie genau im Dunkeln liegt." flüsterte der Schatten und leuchtete zwar nicht selbst, aber er zeigte mit seinem dunklen Finger auf eine glitzernde Stelle tief unten im Dreck. Fibi nutzte nun ihren Zauberstab aus Birkenholz und erschuf einen kleinen Windhauch, der die Murmel langsam nach oben wirbelte, bis Ferdinand sie mit seinem klebrigen Mund schnappen konnte.


"Ihr seid wirklich ein unschlagbares Team, denn ohne die Hilfe des Schattens hätten wir die Murmel niemals im Dunkeln gefunden." bedankte sich der glückliche Frosch und schenkte Fibi zum Dank ein Stück getrocknete Alge. Die Reise ging weiter zum Blaubeerfelsen, wo sie auf eine Gruppe von tanzenden Waldgeistern trafen, die gerade ein großes Fest feierten.


Die Geister sangen Lieder über den Wind und das Wasser, während sie in bunten Kreisen um einen alten Baumstumpf wirbelten. Fibi wollte unbedingt mitmachen, aber sie bemerkte, dass die Waldgeister gar keine Schatten hatten und deshalb ganz blass und fast unsichtbar im hellen Sonnenlicht wirkten.


"Warum seht ihr so durchsichtig aus, als wärt ihr aus Nebel und Wolken gemacht?" fragte Fibi neugierig, während sie im Takt der Musik mit ihren Flügeln schlug. Ein alter Waldgeist mit einem Bart aus Flechten antwortete ihr, dass sie ihre Schatten vor vielen Jahren im tiefen See verloren hatten. Fibi sah ihren eigenen Schatten an und erkannte, wie wichtig er für sie war, weil er ihr Gestalt und Tiefe in der hellen Welt gab.


"Wir müssen den Waldgeistern helfen, ihre Schatten wiederzufinden, damit sie nicht länger im hellen Licht verblassen müssen." sagte Fibi entschlossen und blickte dabei mutig in Richtung des glitzernden Sees am Horizont.

Der Schatten zögerte kurz, denn er wusste, dass das Wasser für Wesen wie ihn ein wenig gefährlich sein konnte, da Schatten auf Wellen oft verzerrt werden.


"Hab keine Angst, ich halte dich ganz fest an meinen Füßen und wir fliegen nur ganz knapp über der Oberfläche des Wassers." versprach Fibi und nahm allen Mut zusammen, um über den spiegelglatten See zu gleiten.


Am Ufer entdeckten sie viele dunkle Flecken, die sich hilflos an die nassen Steine klammerten und nicht wussten, wie sie wieder zu ihren Besitzern zurückkehren sollten. Fibi benutzte ihren Zauberstab und webte ein feines Netz aus Sonnenlicht, mit dem sie die verlorenen Schatten vorsichtig einfing und in einem großen Beutel sammelte.


Als sie zum Blaubeerfelsen zurückkehrten, öffnete Fibi den Beutel und die Schatten flitzten sofort zu den Waldgeistern zurück, die daraufhin viel kräftiger und bunter aussahen.


"Vielen Dank, kleine Fee, du hast uns unsere Kraft und unsere Schönheit zurückgegeben, die wir schon fast vergessen hatten." riefen die Geister im Chor und tanzten nun noch wilder als zuvor. Der Schatten von Fibi fühlte sich nun wie ein richtiger Held und machte besonders große und stolze Bewegungen auf dem hellen Boden des Waldes.


Fibi war so stolz auf ihren treuen Begleiter, dass sie ihm versprach, von nun an jeden Abend gemeinsam ein neues Abenteuer zu planen.

Die Sonne wanderte nun langsam wieder nach unten und färbte den Himmel in ein tiefes Orange, das fast wie flüssiges Gold aussah.


"Es war ein anstrengender Tag, aber wir haben heute sehr vielen Freunden geholfen und den Wald ein Stück glücklicher gemacht." stellte Fibi fest, während sie gähnend zurück zu ihrer gemütlichen Eiche flog.


Der Schatten schmiegte sich eng an sie und fühlte sich nun gar nicht mehr müde, sondern einfach nur zufrieden und geliebt. Sie landeten sicher in ihrer Krone und Fibi kuschelte sich wieder in ihr weiches Bett, während der Schatten sich langsam auf der Rinde ausstreckte.


"Gute Nacht, mein lieber Schatten, ich bin so froh, dass wir beide für immer zusammengehören." flüsterte die kleine Fee kurz bevor sie einschlief. Der Schatten antwortete nicht mit Worten, sondern legte sich einfach ganz sanft wie eine schützende Decke über die Träume der kleinen Fee.


Und während der Mond über dem Wald aufging, wusste jeder Bewohner der alten Eiche, dass wahre Freundschaft bedeutet, sich gegenseitig im Licht und im Dunkeln zu stützen.

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