Der verlorene Sand des Sandmännchen - eine traumhafte Gute-Nacht-Geschichte
- Michael Mücke

- vor 3 Tagen
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Es war einmal eine sternenklare Nacht, in welcher der Mond besonders hell am dunklen Himmel leuchtete und die Welt in ein silbernes Licht tauchte. Das kleine Sandmännchen saß in seiner gemütlichen Werkstatt aus weichen Wolken und polierte seinen glänzenden Schlafsandbeutel mit einem Tuch aus Seide.
In dieser Nacht fühlte sich die Luft besonders mild und angenehm an, während die Sterne wie kleine Diamanten funkelten. Plötzlich passierte jedoch ein großes Unglück, als das Sandmännchen über eine freche, kleine Sternschnuppe stolperte, die gerade ein wildes Wettrennen machte.
Der kostbare Schlafsand ergoss sich wie ein goldener Wasserfall aus dem Beutel und wirbelte durch die kühle Nachtluft hinunter zur fernen Erde. Das Sandmännchen erschrak furchtbar und rief laut: "Oh weh, mein ganzer Sand ist verloren und die Kinder können nun nicht einschlafen."
Es wusste sofort, dass es den Sand schnell wieder einsammeln musste, bevor die ersten Kinder in ihren Betten unruhig wurden. Also kletterte das kleine Männchen auf seinen treuen Wolkenwagen und sauste im Sauseschritt hinunter in den tiefen, geheimnisvollen Märchenwald.
Dort glitzerten tausend kleine Körnchen auf den breiten, grünen Blättern der uralten Eichen und Buchen. Eine weise Eule beobachtete das bunte Treiben von ihrem Ast aus und fragte mit ihrer tiefen Stimme: "Was suchst du kleiner Freund so spät in der dunklen Nacht bei uns im Wald?"
Das Sandmännchen erklärte der Eule traurig sein Missgeschick und bat sie höflich um ihre tatkräftige Hilfe. Die Eule schlug kräftig mit ihren großen Flügeln und wirbelte den Sand von den Blättern direkt in den offenen Beutel zurück. "Vielen Dank für deine Rettung in der Not," sagte das Sandmännchen und verbeugte sich tief vor dem majestätischen Vogel.
Doch der Beutel war leider immer noch nicht ganz gefüllt, weil viele Körnchen weiter zum glitzernden See am Waldrand geflogen waren. Am Ufer des Sees traf das Sandmännchen einen dicken, grünen Frosch, der auf einem riesigen Seerosenblatt saß und die Sterne zählte.
Der Frosch quakte fröhlich und fragte neugierig: "Warum leuchtest du so hell wie ein kleiner Stern hier unten am tiefen Wasser?" Das Sandmännchen erzählte auch ihm von dem verlorenen Schlafsand und zeigte auf die glänzenden Stellen im hohen Schilf. Gemeinsam sammelten sie jedes einzelne Körnchen ein, das auf den sanften Wellen tanzte wie kleine, tanzende Lichter.
Der Frosch lachte dabei vergnügt und meinte stolz: "Zusammen sind wir wirklich ein unschlagbares Team beim Sammeln von Sternenstaub." Plötzlich bemerkte das Sandmännchen, dass ein Teil des Sandes in den Bau eines kleinen Igels geweht war.
Der Igel wühlte im trockenen Laub und wunderte sich über den goldenen Glanz in seinem gemütlichen Nest. Das Sandmännchen fragte ganz vorsichtig: "Darf ich bitte meinen Schlafsand aus deinem weichen Blätterhaufen zurückholen?" Der Igel rollte sich erst kurz ein und half dann eifrig mit seinen kleinen Pfoten beim Suchen.
Er fand noch drei Handvoll Sand, die tief zwischen den braunen Blättern und kleinen Zweigen versteckt lagen. Als der Beutel fast wieder prall gefüllt war, fehlte nur noch eine winzige Prise für den allerletzten Traum. Diese letzte Prise war direkt in den Garten eines kleinen Mädchens geweht, das schon sehr ungeduldig in seinem Zimmer wartete.
Das Sandmännchen schlich leise auf Zehenspitzen über das weiche Gras bis zum breiten Fensterbrett aus Holz. Dort fand es den letzten Rest des Schlafsands, der in der Blüte einer bunten Blume verborgen lag. Mit einem erleichterten Seufzer band das Sandmännchen den Beutel ganz fest mit einer goldenen Schleife aus Sonnenstrahlen zu.
Es flüsterte leise in die dunkle Nacht hinein: "Nun ist alles wieder gut und jedes Kind kann sicher und friedlich träumen." Danach flog es mit seinem Wolkenwagen zurück nach oben zu den funkelnden Sternen und streute den Sand sanft über die ganze Welt.
Sobald die glitzernden Körnchen die Nasenspitzen der Kinder berührten, begannen die zauberhaften Abenteuer in ihren Köpfen. Ein kleiner Junge träumte davon, dass er auf dem Rücken eines riesigen, freundlichen Drachen über hohe Berge flog.
Der Drache hatte Schuppen aus bunter Schokolade und schnaubte lustige Seifenblasen aus seinen großen Nüstern. Der Junge lachte laut und rief im Traum: "Flieg noch ein Stück höher zum hellen Mond hinauf."
Ein anderes Mädchen fand sich plötzlich auf einer Insel wieder, auf der alle Bäume aus Zuckerwatte bestanden. Sie tanzte mit kleinen Einhörnern über eine Wiese aus blauem Gras und pflückte süße Lutscher von den Sträuchern.
Die Einhörner wieherten leise und sagten zu ihr: "Hier in diesem Land ist alles möglich, was du dir nur vorstellen kannst." In einem anderen Haus träumte ein Kind davon, ein mutiger Kapitän auf einem Schiff aus Käse zu sein. Es segelte über einen Ozean aus Limonade und entdeckte verborgene Schätze in goldenen Truhen am Meeresgrund.
Überall auf der Welt sahen die Kinder die buntesten Farben und hörten die schönste Musik in ihrem Schlaf. Das Sandmännchen blickte von seiner Wolke hinunter und freute sich über die friedlichen Gesichter der schlafenden Kleinen. Es wusste nun ganz genau, dass sich die ganze Mühe beim Suchen des Sandes gelohnt hatte.
Die Sterne am Himmel zwinkerten dem kleinen Mann freundlich zu, als wollten sie ihm gratulieren. Das Sandmännchen gähnte einmal ganz kräftig und kuschelte sich fest in seine weiche Decke aus Sternenstaub.
Es flüsterte müde zum Mond empor: "Gute Nacht an alle kleinen und großen Entdecker auf dieser Erde." Dann schloss auch das Sandmännchen seine kleinen Augen und träumte von der nächsten wundervollen Nacht.




