Der Mondmaler und die schlafenden Sterne - eine Gute-Nacht-Geschichte über Sterne
- Michael Mücke

- 6. Dez. 2025
- 4 Min. Lesezeit

Es war einmal ein kleiner Mann, der auf dem sanften Mond lebte und jede Nacht mit großer Sorgfalt den Himmel vorbereitete. Sein Zuhause bestand aus einer runden Mondkuppel, die aus hellen Felsen gebaut war und im Inneren viele gemütliche Ecken hatte.
Dort bewahrte er seine Farbtöpfe, seine Pinsel, seine Schablonen und eine Kiste voller kleiner Werkzeuge auf, die er für das Bemalen des Nachthimmels brauchte. Jeden Abend mischte er neue Farben an, weil jede Nacht einen leicht anderen Glanz verlangte und die Sterne gerne verschiedene Töne trugen.
An diesem Abend war der kleine Mann besonders früh wach geworden, weil er eine neue Silberfarbe ausprobieren wollte. Sie funkelte stärker als alle Farben, die er zuvor gemischt hatte, und sie duftete nach warmem Mondlicht. Er rührte sie langsam um und sagte leise "Diese Farbe wird heute wunderbar leuchten".
Danach schüttelte er seinen Mondschimmerpinsel aus und setzte sich zufrieden auf einen runden Felsen vor seiner Kuppel. Als er den ersten Blick in den Himmel wagte, öffnete er überrascht den Mund. Kein Stern blinkte und kein kleiner Lichtpunkt funkelte. Der Himmel schien völlig eingeschlafen.
Der kleine Mann stellte den Farbtopf auf den Boden und rief vorsichtig "Wacht auf meine lieben Sterne", doch der Himmel blieb dunkel. Er schaute genauer hin und erkannte, dass die Sterne gemütlich in weichen Wolkennischen ruhten. Einige rollten sich zusammen wie winzige Lichterkugeln und andere lagen ausgestreckt wie kleine funkelnde Wesen.
Sie träumten tief und friedlich und hörten seinen Ruf nicht einmal im Entferntesten. Der kleine Mann merkte, dass er eine Lösung brauchte, um sie sanft zu wecken, damit die Nacht wieder strahlen konnte.
Er betrat sein Atelier und zog eine große Kiste aus einem Schrank. Darin lagen viele Dinge, die er seit langer Zeit nicht mehr benutzt hatte. Er fand alte Klangkugeln, die eine zarte Melodie abgaben, wenn man sie schüttelte.
Er fand auch winzige Federpinsel, die eigentlich dafür gedacht waren kleine Funken zu verteilen. Außerdem fand er eine vergessene Laterne, die mit Mondlicht gefüllt war.
Der kleine Mann setzte sich auf einen Stuhl und überlegte sorgfältig, ob eines dieser Werkzeuge helfen könnte. Er erinnerte sich daran, dass Sterne sehr gerne Melodien hörten, die ruhig und langsam gespielt wurden.
In einer Ecke des Ateliers stand seine besondere Mondharfe, die nur in seltenen Nächten erklingen durfte. Ihr Rahmen bestand aus glattem Stein und die Saiten glänzten zart wie feiner Nebel.
Der kleine Mann nahm sie vorsichtig hoch und spürte, wie die Saiten leise vibrierten. Er ging nach draußen und setzte sich auf seinen Lieblingsfelsen, der eine schöne Aussicht auf den Himmel bot.
Dann strich er über die Saiten und spielte eine erste sanfte Note. Die Melodie kroch langsam über den dunklen Himmel und glitt zwischen den schlafenden Sternen hindurch.
Zunächst geschah nichts und der kleine Mann fragte sich, ob die Sterne vielleicht viel zu müde für seine Musik waren. Doch dann bemerkte er ein winziges Flimmern und ein leichtes Blinzeln eines fernen Sterns. Er spielte weiter und sang dazu voller Hoffnung "Erwacht und strahlt ihr stillen Lichter".
Die Melodie wurde breiter und weicher und berührte einen Stern nach dem anderen. Erst öffnete ein einzelner Stern die Augen und dann folgten weitere, bis schließlich der ganze Himmel langsam erwachte.
Die Sterne bewegten sich vorsichtig und sahen sich gähnend um. Sie wirkten noch sehr verschlafen, doch sie lächelten, weil sie die Melodie liebten.
Der kleine Mann stellte die Harfe beiseite und holte seinen großen Mondschimmerpinsel. Er tauchte ihn tief in den Topf mit der neuen Silberfarbe und trat an den ersten Stern heran, der neugierig auf ihn wartete.
Als er den Pinsel über die Sternoberfläche strich, begann der Stern hell und klar zu glühen. Er kicherte leise, weil der Pinsel ein wenig kitzelte, und der kleine Mann freute sich über jedes erstrahlende Licht.
Er malte geduldig jeden Stern an, bis der Himmel wieder voll leuchtender Punkte war. Manche Sterne wollten extra viel Glanz und andere nur einen kleinen Tupfer, doch der kleine Mann erfüllte jeden Wunsch mit Ruhe und Freude.
Nachdem alle Sterne wieder wunderschön funkelten, wandte sich der kleine Mann dem Mond zu. Der Mond hatte an diesem Abend besondere Schlieren, die in feinen Linien über die Oberfläche liefen. Der kleine Mann arbeitete sorgfältig an ihnen und malte sie mit der Silberfarbe nach, damit sie weicher wirkten.
Jede Bewegung seines Pinsels verwandelte den Mond in eine riesige leuchtende Scheibe, die sanft über der Welt stand. Die Sterne schwebten fröhlich um ihn herum und blickten bewundernd auf das fertige Werk.
Als der Himmel vollständig erstrahlte, setzte sich der kleine Mann noch einmal auf seinen Lieblingsfelsen und schaute zufrieden hinauf.
Er flüsterte mit warmer Stimme "Schlaft gut ihr lieben Sterne wenn eure Zeit gekommen ist" und legte den Pinsel beiseite. Danach ging er langsam zurück in sein Atelier, wo eine gemütliche Liege aus weichem Mondstaub auf ihn wartete.
Er deckte sich zu und lauschte dem sanften Klingen seiner Harfe, die noch ein wenig nachhallte. Schließlich schloss er die Augen und wusste, dass die Nacht dank seiner Arbeit freundlich und ruhig über die Erde leuchten würde.




