Das Tagträumer-Taxi - eine verträumte Gute-Nacht-Geschichte
- Michael Mücke

- 19. Dez. 2025
- 4 Min. Lesezeit

Es war einmal ein kleines Taxi mit glänzender gelber Farbe, welches jede Nacht auf besondere Fahrgäste wartete. Dieses Taxi war nicht gewöhnlich, denn es konnte erscheinen, verschwinden, schweben und sogar winzige Wege finden, die für normale Fahrzeuge unsichtbar blieben.
Es wirkte auf den ersten Blick freundlich und unscheinbar, doch in seinem Innern schlummerte eine leise Magie, die nur Kinder bemerken konnten.
In einer klaren Abendstunde saß der siebenjährige Milo in seinem warmen Zimmer und hörte das Knacken der alten Holzdielen im Flur. Die Dunkelheit wurde weicher und die Geräusche der Stadt verstummten langsam.
Milo strich über seine Decke, schloss kurz die Augen und fragte sich, was wohl hinter den gewöhnlichen Dingen des Tages steckte. Als er wieder aufsah, bemerkte er ein sanftes Licht, das sein Fenster streifte. Das Leuchten wuchs und wurde heller, aber nicht unangenehm, und Milo spürte eine freundliche Wärme.
Vor seinem Fenster stand tatsächlich ein kleines Taxi, das leise vibrierte. Seine Türen öffneten sich ohne ein Geräusch, als würde es ihn bereits erwarten. Eine beruhigende Stimme erklang aus dem Inneren.
„Steig ein Milo und schnall dich gut an denn heute wartet eine wundervolle Reise auf dich.“ Milo zögerte keinen Moment, öffnete das Fenster weit und kletterte vorsichtig hinein. Der Sitz fühlte sich weich und einladend an, fast wie ein Kissen, auf dem der ganze Tag von ihm abfiel.
Kaum hatte Milo sich gesetzt, schloss sich die Tür wie von selbst. Das Taxi begann sachte zu brummen und rollte rückwärts über eine glitzernde Spur aus weichem Licht. Die Räder schwebten fast über dem Boden, sodass Milo sich leicht wie eine Feder fühlte.
Langsam hob sich das Taxi in die Luft und stieg höher, bis die Lichter der Stadt klein wie ruhige Glühwürmchen wirkten. Milo drückte seine Stirn an die Scheibe und sah, wie die Dächer, Bäume und Straßen zu einer einzigen friedlichen Fläche wurden.
Als das Taxi weiterstieg, öffnete sich vor ihnen ein großer Bogen aus schimmernden Funken, der wie ein geheimes Tor wirkte. Das Taxi glitt durch das Tor und schon veränderte sich die Welt ringsum. Eine weite Landschaft breitete sich aus, die aus sanft bewegten Sandwegen bestand. Die Wege formten Muster, die sich ständig veränderten, als würden sie lebendig atmen.
Das Taxi landete auf einem offenen Platz, auf dem heller Sand in kleinen Wirbeln getanzt hat. Zwischen einigen glatten Steinen wuchsen Pflanzen mit langen Blättern, die seidig glänzten. Als Milo ausstieg, sank seine Hand sanft in den warmen Sand.
Ein kleines Fellwesen mit weichen Ohren kam ihm entgegen und lächelte freundlich. „Willkommen im Land der wandernden Wege Milo.“
Es reichte ihm einen kleinen Holzstab, der leicht in seiner Hand vibrierte. Milo folgte dem Wesen zu einem der wandernden Wege. Der Weg bewegte sich ganz ruhig und nahm Milo mit, sobald er einen Fuß auf ihn setzte. Es fühlte sich an, als würde der Weg ihn auf einem schwebenden Teppich tragen.
Milo sah glitzernde Höhlen, aus denen warmes Licht kam, und Bäume mit dunklen glänzenden Blättern, die sich wie ruhige Wellen bewegten.
Der Weg führte Milo zu einer hohen Felskuppel, in der winzige Öffnungen funkelten. Durch jede Öffnung strömte sanftes Licht, das sich über dem Boden sammelte. Das Fellwesen erklärte Milo, dass die Lichter aus schlafenden Traumfunken bestanden, die Kindern halfen, in der Nacht friedlich zu träumen.
Milo kniete sich hin und sah die Traumfunken wie ruhige Lichtblasen schweben. Sie flüsterten kaum hörbar Geschichten, die nie laut wurden und trotzdem verstanden werden konnten.
Nachdem Milo viel gesehen hatte, brachte das Wesen ihn zurück zum Platz. Das Taxi wartete geduldig und strahlte leicht, als Milo einstieg. Es hob erneut ab und flog über ein riesiges Tal, in dem Gräser in langen Wellen tanzten. Sie erzeugten Muster, die sich wie endlose Kreise bewegten und dabei ein leises Rauschen erzeugten, das sich wie ein Lied anhörte.
Das Taxi setzte Milo an einer Lichtung ab, die hell vom Schein kleiner Laternen erleuchtet war. Die Laternen hatten keine Flamme, sondern ein sanftes inneres Leuchten.
Dazwischen bewegten sich Windvögel, deren Körper aus klarer Luft zu bestehen schienen und die beim Flattern kaum hörbare Wirbel erzeugten. Einer dieser Windvögel setzte sich glatt vor Milo und berührte seine Nase mit einer kleinen Winddrehung. „Folge uns und lausche unserem Lied.“
Die Windvögel führten Milo zu einer weiten Wiese. Als sie gemeinsam ankamen, erhoben sich alle Windvögel gleichzeitig in die Luft und bewegten sich in weichen Bahnen. Sie sangen ein ruhiges Lied, das von kreisenden Bewegungen und fließenden Tönen getragen wurde.
Der Klang war sanft, tief und friedlich und er schien direkt in Milos Gedanken zu sinken. Die Luft fühlte sich angenehm kühl an und jeder Schritt auf der Wiese wirkte leichter als der vorherige.
Als das Lied verstummte, verneigten sich die Windvögel sanft. Das Taxi wartete bereits am Rand der Wiese und öffnete seine Türen wie ein geduldiger Freund. Milo winkte den Windvögeln zu und stieg wieder ein. Das Taxi hob ab und glitt durch einen breiten Tunnel aus funkelnden Partikeln, die wie winzige leuchtende Punkte wirkten. Milo fühlte sich geborgen und angenehm müde.
Das Taxi senkte sich langsam und landete genau vor seinem offenen Fenster. Die vertraute Stimme erklang erneut.
„Gute Nacht Milo und träume sicher weiter.“ Milo kletterte zurück in sein Bett und kuschelte sich unter seine Decke. Das Taxi verschwand leise im Dunkel der Nacht und ließ nur ein schwaches Leuchten zurück. Milo schloss die Augen und dachte an die wandernden Wege, das Fellwesen und die Windvögel.
Die Erinnerungen schwebten um ihn wie sanfte Wolken, während er in einen tiefen ruhigen Schlaf glitt.




