Luna und ihre kleine Schwester Saphira - eine Gute-Nacht-Geschichten mit Einhörner und Pferden
- Michael Mücke

- vor 18 Stunden
- 4 Min. Lesezeit

Es war eine milde Frühlingsnacht im Silbermondwald und die Sterne funkelten heute noch ein kleines bisschen heller als sonst. Luna, das Einhorn mit dem schimmernden Horn, stand am Ufer des Sees der Träume und betrachtete ihr Spiegelbild. Ihr Horn leuchtete in einem sanften Rosagold, was bedeutete, dass etwas ganz Außergewöhnliches bevorstand. Ihre Mutter trat aus dem Schatten der alten Weide hervor, ihre Augen strahlten vor Glück.
"Komm her, kleine Luna, heute Nacht bekommt unser Wald ein zweites Wunder," flüsterte die Mutter und führte Luna zu einer verborgenen Lichtung, die mit weichem, blauem Sternenmoos bedeckt war.
Dort, eingekuschelt in ein Nest aus glitzernden Farnen, lag ein kleines Wesen, das Luna noch nie zuvor gesehen hatte. Es war ein Fohlen, genau wie Luna eines gewesen war, aber sein Fell schimmerte nicht weiß, sondern in einem tiefen, magischen Saphirblau.
Das Erstaunlichste aber war, dass an den Seiten des kleinen Fohlens zwei zarte, seidige Flügel eingeklappt waren, die wie fein gewebte Seide im Mondlicht glänzten.
"Das ist Saphira, deine kleine Schwester," sagte die Mutter leise. "Sie ist das erste Pferd mit Flügeln, das diese Welt je gesehen hat."
Luna trat vorsichtig näher und berührte mit der Spitze ihres leuchtenden Horns ganz sanft die Stirn ihrer Schwester. In diesem Moment öffnete Saphira ihre großen, dunklen Augen und ein leises Wiehern, das wie das Klingen kleiner Silberglöckchen klang, erfüllte die Luft. Saphira streckte ihre Beine und plötzlich entfalteten sich ihre Flügel. Sie waren groß und kräftig und mit feinem Sternenstaub bestäubt, der bei jeder Bewegung wie kleine Funken herabfiel.
"Hallo, kleine Saphira, ich werde immer auf dich aufpassen," versprach Luna und ihr Horn leuchtete in einem warmen Goldton auf.
Saphira versuchte aufzustehen, doch ihre Beine waren noch ein wenig wackelig. Sie flatterte aufgeregt mit ihren neuen Flügeln und plötzlich passierte etwas Magisches. Ein kleiner Windstoß hob sie ein Stückchen vom Boden hoch. Erschrocken, aber auch neugierig, blickte Saphira nach unten.
Der kleine Sternenstaubelf, der Luna damals geholfen hatte, kam angeflogen und setzte sich mutig auf Saphiras kleine Nase.
"Du musst keine Angst haben, kleine Himmelsstürmerin, der Wind ist dein bester Freund," lachte der Elf und kitzelte Saphira mit seinem Zauberstab.
Saphira nieste und bei jedem Niesen schossen kleine, blaue Lichtblitze aus ihren Flügeln, die den Nachthimmel in ein wunderschönes Feuerwerk tauchten. Luna erkannte, dass ihre Schwester eine ganz andere Magie besaß als sie selbst. Während Luna Blumen wachsen lassen konnte, schien Saphira die Kraft zu haben, die Wolken zu formen und die Sterne zu putzen.
Gemeinsam machten sich die beiden Schwestern auf einen kleinen Spaziergang durch den Wald. Luna schritt stolz voran und ließ mit jedem Hufschlag leuchtende Vergissmeinnicht am Wegrand blühen. Saphira hüpfte neben ihr her und manchmal machte sie einen so großen Satz, dass sie für ein paar Sekunden durch die Luft segelte. Die Eulen im Wald unterbrachen ihre Jagd und schauten staunend zu, wie das blaue Flügelpferd an ihnen vorbeischwebte.
"Schau mal, Luna, ich kann die Baumwipfel berühren!" rief Saphira voller Freude, als sie über einen besonders hohen Busch flog.
Plötzlich hörten sie ein ängstliches Piepsen von oben. Ein kleines Vogelbaby war aus seinem Nest in der alten Eiche gepurzelt und klammerte sich nun zitternd an einen sehr dünnen Ast weit oben in der Krone. Die Vogelmama flatterte aufgeregt umher, aber der Ast war zu dünn, um ihr Kind zu retten. Luna schaute nach oben, aber ihr Horn konnte den kleinen Vogel nicht erreichen.
"Saphira, das ist deine Aufgabe. Du bist die Einzige, die so hoch fliegen kann," sagte Luna ermutigend.
Saphira schluckte schüchtern, aber dann dachte sie an das Versprechen ihrer großen Schwester. Sie breitete ihre saphirblauen Flügel weit aus und schlug fest damit. Mit einem kräftigen Satz erhob sie sich in die Lüfte. Höher und höher stieg sie, vorbei an den schlafenden Eichhörnchen, bis sie direkt neben dem kleinen Vogel schwebte. Ganz vorsichtig packte sie das Vögelchen mit ihrem weichen Maul und setzte es sicher zurück in das gemütliche Nest.
Die Vogelmama zwitscherte ein lautes Danke und Saphira landete mit einer eleganten Drehung wieder sicher bei Luna auf dem Boden.
"Das hast du toll gemacht, kleine Schwester," sagte Luna stolz und rieb ihre Nase an Saphiras Flanke. "Du bist die Beschützerin des Himmels, so wie ich die Hüterin des Waldes bin."
Die beiden Schwestern kehrten zur Lichtung zurück, wo ihre Mutter bereits wartete. Die ganze Nacht über erzählte Luna ihrer kleinen Schwester von den Wundern des Silbermondwaldes und Saphira lauschte mit großen Augen, bis sie schließlich müde wurde. Sie kuschelte sich eng an Lunas warmes, weißes Fell und legte ihre blauen Flügel schützend über sie beide.
Der Waldgeist flüsterte durch die Blätter der Bäume eine sanfte Melodie. "Zwei Schwestern, zwei Wunder, ein gemeinsames Licht. Nun schlaft tief und fest, bis der Morgen anbricht."
Luna schloss ihre Augen und spürte das gleichmäßige Atmen von Saphira an ihrer Seite. Sie wusste, dass sie von nun an nie mehr allein sein würde und dass der Silbermondwald mit einem Einhorn und einem Flügelpferd der sicherste Ort auf der ganzen Welt war.
"Träum was Schönes, Saphira, morgen fliegen wir gemeinsam bis zu den Wolken," murmelte Luna noch, bevor auch sie in einen tiefen, magischen Schlaf sank.




