Funkel und Schein, die zwei Glückssterne - eine schöne Gute-Nacht-Geschichte
- Michael Mücke

- vor 21 Stunden
- 4 Min. Lesezeit

Es war einmal ein samtig weicher Abendhimmel, an dem die Dunkelheit wie ein blauer Mantel über die Welt fiel. Ganz weit oben, dort wo die Luft nach Zuckerwatte und Träumen riecht, lebten zwei kleine Sterne namens Funkel und Schein. Funkel war ein eher quirliger Stern, der ständig ein bisschen hin und her hüpfte, während Schein ein ruhiges und sehr sanftes Leuchten besaß.
Die beiden waren die allerbesten Freunde und hielten sich jede Nacht an ihren goldenen Zacken fest, damit sie im weiten Himmelsmeer nicht voneinander wegtreiben konnten. Ihre Heimat war eine glitzernde Wolkenwiese, die aus feinstem Sternenstaub gewebt war und bei jedem Schritt leise wie frisch gefallener Schnee knisterte.
"Schau mal nach unten auf die schlafende Stadt", flüsterte Funkel und streckte seine leuchtende Nase weit nach vorne über den Rand einer großen, flauschigen Kumuluswolke.
Schein nickte langsam und beobachtete, wie die Lichter in den Häusern nacheinander ausgingen, bis nur noch das sanfte Mondlicht auf die silbernen Dächer fiel. "Es ist unsere wichtigste Aufgabe, dass wir heute Nacht besonders hell leuchten", antwortete Schein mit einer Stimme, die wie kleine Glöckchen klang.
In dieser Nacht fühlten sie sich besonders mutig und beschlossen, ein großes Abenteuer auf ihrer unendlichen Himmelswiese zu erleben. Sie hüpften über weiche Nebelkissen, die so sanft wie Federbetten waren, und lachten dabei leise in die kühle Stille der Nacht hinein.
Plötzlich bemerkte Funkel am weiten Rande des Horizonts ein kleines Tierchen, das ganz allein auf der Spitze einer hohen Tanne saß. Es war ein kleines Eichhörnchen namens Nüssli, das seinen Weg zurück in den warmen Kobel nicht mehr finden konnte. Der Wald sah im tiefen Schatten der Nacht so finster und fremd aus, dass die kleinen Pfoten vor lauter Angst zitterten.
"Wir müssen dem kleinen Freund unbedingt helfen", rief Funkel aufgeregt und begann sofort, seine goldenen Strahlen so kräftig wie möglich in die Tiefe auszustrecken. Schein legte seine Hand auf Funkels bebende Schulter und sagte ganz ruhig: "Wenn wir unsere Kraft gemeinsam bündeln, erschaffen wir eine goldene Brücke aus reinem Sternenlicht."
Die beiden Freunde nahmen all ihren Mut zusammen und konzentrierten ihr gesamtes Licht auf einen einzigen, winzigen Punkt tief im dunklen Tannenwald. Zuerst geschah gar nichts, doch dann begann der Waldboden unter der alten Tanne hell zu schimmern und jeder Grashalm glänzte wie pures Silber. Das kleine Eichhörnchen spitzte die Ohren und traute seinen großen Augen kaum, als der Pfad vor ihm plötzlich wunderbar hell erleuchtet wurde.
"Vielen Dank, ihr lieben Sterne am hohen Himmelszelt", piepste das kleine Tierchen voller Freude und flitzte geschwind über die beleuchteten Äste nach Hause. Funkel und Schein sahen glücklich dabei zu, wie das Eichhörnchen sicher in seinem weichen Nest ankam und sich tief in die kuschelige Wolle hockte.
Doch das Abenteuer war noch nicht ganz zu Ende, denn plötzlich tauchte ein kleiner Windgeist namens Wirbel auf. Er pustete dicke, graue Wolken direkt vor die Nasen der beiden Freunde, sodass sie die Erde kaum noch sehen konnten. "Ihr seid viel zu hell für diese Nacht", rief der freche Wirbel und sauste im Kreis um die beiden erschrockenen Sterne herum.
Funkel packte die Hand von Schein noch fester und rief laut gegen das Sausen des Windes an: "Wir lassen uns nicht einfach so wegpusten, denn wir haben eine wichtige Mission." Schein begann leise zu summen und forderte Funkel auf, mit ihm gemeinsam ein Lied der Ruhe zu singen. Durch den sanften Gesang beruhigte sich der kleine Windgeist augenblicklich und legte sich erschöpft auf eine nahegelegene Wolke zum Schlafen.
"Das war wirklich knapp", schnaufte Funkel und wischte sich ein wenig Sternenstaub von seiner glänzenden Stirn. Nach dieser anstrengenden Tat fühlten sich die beiden Freunde nun doch ein wenig müde, aber ihr Herz war voller Wärme. Sie legten sich nebeneinander auf eine große, violette Wolke, die wie ein riesiges Schiff durch die stille Nacht segelte.
"Glaubst du, dass die Kinder uns auch in ihren Träumen sehen können", fragte Funkel mit gähnender Stimme und schloss schon fast seine kleinen Augen. Schein lächelte liebevoll und deckte seinen besten Freund mit einem Zipfel der silbernen Wolkendecke zu, damit dieser im kalten Weltraum nicht frieren musste.
"Ganz bestimmt schicken wir ihnen jetzt die allerschönsten Träume der Welt", flüsterte Schein und begann erneut ein leises Schlaflied zu summen. Überall in den gemütlichen Kinderzimmern auf der Erde wurde es nun ganz friedlich, weil die beiden Glückssterne über den Schlaf der Kleinen wachten.
Funkel und Schein wussten nun ganz genau, dass ihre Freundschaft das stärkste und schönste Licht im gesamten Universum war. Sie versprachen sich feierlich, auch in jeder nächsten Nacht wieder gemeinsam am weiten Himmel zu stehen.
"Gute Nacht, kleiner Funkel", sagte Schein ganz leise, während er selbst langsam in einen tiefen und glitzernden Schlummer versank.
"Gute Nacht, lieber Schein", murmelte Funkel noch ein letztes Mal, bevor nur noch das stille Funkeln der Unendlichkeit am Firmament zu sehen war. Die Welt ruhte nun vollkommen sicher und geborgen unter dem treuen Schutz der beiden Freunde, die für immer unzertrennlich bleiben würden.
Alles war ruhig, alles war friedlich und die Träume der Menschen flogen wie bunte Schmetterlinge durch die weiche, dunkle Nacht. In den fernen Wäldern schlief das Eichhörnchen tief und fest, während die Sterne am Himmel über seine Träume wachten.
Die Nacht war nun erfüllt von einem Zauber, den nur wahre Freunde wie Funkel und Schein erschaffen konnten. So leuchteten sie weiter, bis die erste goldene Sonne am Morgen den neuen Tag begrüßte.




